Mitten im Herzen von Bonn steht an exponierter Stelle das Bonner Münster. Seit dem 13. Jahrhundert, als die Bonner die Basilika in ihr Stadtsiegel aufnahmen, ist sie das Wahrzeichen der Stadt. Für die Generalsanierung waren eine umfassende 3-D-Vermessung und Auswertung erforderlich. Als Grundlage für die Maßnahmen wurden Grundrisse aus sechs Ebenen und zwölf Schnitte angefordert. Außerdem wurde eine detaillierte Steinfugendigitalisierung der Fassade für die Schadenskartierung benötigt. Die größte Herausforderung beim vollständigen 3-D-Scan des riesigen, komplexen Gebäudes mitten im Bonner Stadtzentrum war das korrekte und effiziente Zusammenfügen der riesigen Datenmengen, die von verschiedenen Projektsensoren gesammelt worden waren. Wie ein Puzzle entstand das Modell des Bonner Münsters.
Erstellung eines hochpräzisen geodätischen Netzwerkes
Präzise TPS-Messungen schufen die Basis für die genaue Kombination der Scandaten mit dem nationalen Koordinatensystem. Darauf aufbauend wurde ein hochpräzises geodätisches Netzwerk entwickelt, das als Unterstützung bei der Sanierung der Kirche zum Einsatz kam. Für die eigentliche Vermessung des Bonner Münsters kamen ein HDS7000-Scanner und die ScanStation P40 zum Einsatz. Die Daten der Türme und hohen Dächer der Fassade wurden mit einem Oktokopter erfasst, an dem eine hochauflösende Kamera befestigt war. Diese Bildaufnahmen wurden anschließend angepasst und geometrisch so orientiert, dass die Bildproportionen nicht verzerrt wurden.
Präzise Messungen trotz Schwingungen
Viele Faktoren haben dieses Vermessungsprojekt zu einer echten Herausforderung gemacht. Vor allem die Schwingungen, die beim Betreten der Laufstege im Dachstuhlbereich entstanden, erschwerten die Erhebung präziser Daten. Diese Messungen waren jedoch unbedingt notwendig, um den Dachstuhl ordnungsgemäß an das geodätische Netz anzuschließen. Um die Schwingungen auf ein Minimum zu begrenzen, wurde die eingesetzte Totalstation auf dem Dachstuhl positioniert und die Daten per Fernsteuerung erfasst.
Punktwolken aus der Luft
Detaillierte Luftbilder in Bereichen, in denen keine Scanner positioniert werden konnten, wurden mittels Oktokopter-Befliegung erfasst, beispielsweise an der Dachaußenseite oder in den Turmbereichen. Dabei entstanden etwa 3.200 Fassadenfotos, die für Korrekturen und die Verarbeitung verwendet wurden. Es wurden etwa 500 markante Punkte aus den gescannten Punktwolken zu Passpunkten deklariert, um die Bildaufnahmen miteinander zu verbinden. 15 Milliarden Datenpunkte in 13 Tagen und 4 Nächten Die Erfassungsarbeiten erstreckten sich über 13 Tage. Um den Besucherverkehr in der Kirche nicht zu beeinträchtigen, wurden die öffentlichen Bereiche in vier Nachtmessungen gescannt. Später wurden die Panoramaaufnahmen mithilfe von Anpassungen der Lichtexposition oder High-Definition Range (HDR) optimiert. Während des Projekts wurden etwa 750 Scannerstandpunkte gemessen. Das Ergebnis war eine Datenmenge von etwa 15 Milliarden Datenpunkten, die im geodätischen Referenznetz kartiert wurden, um die finale 3-D-Punktwolke zu erzeugen. Per Software wurden die Milliarden von Punkten in den Originalscanaufnahmen nahtlos miteinander verbunden. Die homogenen Punktwolken bieten die Basis für die weitere Auswertung in CAD-Software, die Grundriss- und Schnitterstellung war aufgrund des leistungsstarken Werkzeugs ohne technische Einschränkungen möglich.
Projektabschluss mit einer Vielzahl von Planwerken
Hocheffiziente Arbeitsabläufe haben es ermöglicht, bei diesem komplexen Projekt große Datenmengen in einem kurzen Zeitraum zu erfassen. Die Arbeitsabläufe wurden durch den Einsatz der speziellen Hard- und Software nahtlos kombiniert und integriert, die Verarbeitung der riesigen Datenmengen deutlich vereinfacht. Die Ergebnisse dieses großen und technisch spannenden Projekts konnten so zuverlässig und in homogener Genauigkeit geliefert werden.
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