BDVI-Kongress 2018 – Technologisierung, Digitalisierung, Wandel

Expertise mit Siegel: ÖbVI

Unser Kongress stand unter dem Motto »Technologisierung, Digitalisierung, Wandel«. Das ist sicher ein gesellschaftliches Megathema, das aber auch die Geodäten im Allgemeinen und uns ÖbVI im Besonderen betrifft. Digitalisierung steht in der Mitte, eingerahmt von Technologisierung und Wandel. Das ist sinnbildlich, denn Technologie bedeutet Digitalisierung und Digitalisierung führt zum Wandel unseres gesamten Umfeldes, speziell auch des Arbeitsumfeldes.

 

Doch was ist Digitalisierung überhaupt? Digitalisierung be­zeich­net im ursprünglichen Sinn das Umwandeln von analogen Wer­ten in digitale Formate, die sich informationstechnisch ver­arbeiten lassen. Dies ist das Prinzip, das allen Erscheinungsformen der digitalen Revolution (die heute zumeist gemeint ist, wenn von Digitalisierung die Rede ist) im Wirtschafts-, Ge­sellschafts-, Arbeits- und Privatleben zugrunde liegt. Nun ist aber digital nicht gleich digital. Mein Lieblingsbeispiel ist das Wort »Formularserver«. Es gibt Verwaltungen, die meinen, dass digitalisieren heißt, ein bisher beim Amt abzuholendes Formular in Papierform als PDF zu scannen und dem Bürger auf einem Formularserver bereitzustellen, damit der Bürger das herunter­laden kann, ausdruckt, analog ausfüllt und wieder einreichen kann. Das spart den Gang, das Formular abzuholen. Eine Stei­ge­rung ist, dass man das ausgefüllte Formular einscannt und per Mail wieder zurückschicken kann. Die nächste Eskalations­stufe ist das digitale Ausfüllen des PDF auf der Webseite. Es ist jedoch eigentlich – zumindest für mich – evident, dass das nicht die Digitalisierung im E-Government-Sinn sein kann. Vielmehr muss es an dieser Stelle Ziel der Digitalisierung sein, die ge­sam­te Prozesskette und die Datenerfassung so auszulegen, dass die Kommunikation zwischen Verwaltung und Bürger medienbruch­frei und redundanzfrei erfolgt. Einmal registriert – z. B. mit dem digitalen Ausweis und der Ausweis-App – muss sich der Bürger identifizieren können, dann online sein Anliegen abgeben können und die Verwaltung muss die dann dazu notwendigen Da­ten in den jeweiligen Verwaltungsprozessen digital bearbeitbar haben. Nun hat (noch) nicht jeder Bürger Internet und/oder kann damit umgehen. Die Deutschen haben auch ein Problem mit digitalen Vorgängen – keiner hängt z. B. so sehr an Bargeld und vermeidet digitale Bezahlvorgänge wie die Deutschen. Nicht jeder hat einen digitalen Ausweis und noch weniger Bürger nutzen den mit der Ausweis-App – und wenn überhaupt, damit sie ihren Punktestand in Flensburg digital abrufen können. Ich will damit sagen, dass Konzepte für eine Digitalisierung von Vorgängen in dieser Gesellschaft konsequent angegangen werden müssen, also nicht auf der Ebene von »Formularservern«. Auf der anderen Seite sollten aber immer auch optionale teils analoge Zugänge bzw. digitale Zugänge mit niederschwelligen Zugangskriterien vorgehalten werden. Für die sogenannten B2B-Zugänge bzw. -Prozesse kann man dagegen sicher vor­schreiben, dass diese rein digital stattfinden müssen.

Nach dieser eher allgemeinen Einleitung möchte ich zur Frage der Digitalisierung der geodätischen Profession wechseln.

Inwieweit wirkt sich die Digitalisierung auf unseren Beruf aus, bzw. wie beeinflussen wir die Digitalisierung?

Mit etwas Pathos kann man sagen, dass die Geodäten in viel­facher Hinsicht quasi Erfinder der Digitalisierung sind. Neben der militärischen Nutzung – auf dieses Thema komme ich noch zurück – wurden die ersten Zuse-Rechner nach dem Zweiten Welt­krieg auch für die Digitalisierung der Flurbereinigungsarbei­ten verwendet. Die zunehmenden Rechnerkapazitäten wurden sehr früh und sehr intensiv für geodätische Aufgaben verwendet. Ich kann mich noch daran erinnern, dass zu Lochkartenzeiten die Geodäten in den Rechenzentren an den Einlese-Terminals immer in der Mehrheit waren, zumindest, wenn man die Theo­retiker – wie die Mathematiker – nicht mitzählt. Das automa­ti­sierte Liegenschaftsbuch (ALB) wurde schon 1973 als digitale Version des beschreibenden Teils des Liegenschaftskatasters ent­wickelt und Ende der 70er-Jahre eingeführt – zu einer Zeit, wo eine derartige Datenbank noch revolutionär war. Das heutige digitale Liegenschaftskataster ALKIS® ist eine führende techno­lo­gische Entwicklung in digitalisierten Registern. Evident wird das auch, wenn man es mit dem Stand eines digitalen Grundbuches vergleicht ...

 

 

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Michael Zurhorst

Dipl.-Ing. Michael Zurhorst

BDVI-Präsident
zurhorst(at)bdvi.de