Von Resignation keine Spur

Ein FORUM-Interview von Dr. Wolfgang Guske, Christoph König und Andreas Bandow

Nach einem knappen Jahr im Amt stellt sich das Präsidium des BDVI den Fragen der FORUM-Redaktion. In der Bundesgeschäftsstelle, im Vorfeld einer Präsidiumssitzung, geht es u. a. um Nachwuchsgewinnung für die Verbandsarbeit, um den Benzinpreis, die Generation Y, die ge­sellschaftliche Anerkennung des Ehrenamtes, die Erwartungen an die Politik und um vieles mehr. Und um die ebenfalls angesprochene Work-Life-Balance nicht etwa in die falsche Richtung kippen zu lassen, gibt es zum Gespräch ganz besonders trockene Konferenzkekse. Doch auch da­durch wird der lebhafte Austausch nicht verhindert.

 

FORUM | Beginnen wir mit einem aktuellen Thema: Welche Erwartungen haben Sie an die neue Bundes­regierung?

Brüggemann | Ich hoffe, dass die Jüngeren im Kabinett neue Richtungen vorgeben und das Ganze in andere Bahnen lenken, als es die GroKo vorher gemacht hat.

Zurhorst | Ich habe keine besondere Erwartungshaltung. Der Politikverdruss ist inzwischen auch bei mir angekommen. Es fehlt der Drive, die Sachen anzupacken, die dringend geregelt werden müssen.

FORUM | Das heißt, positive Veränderungen für den Berufsstand oder die eigenen Büros sind nicht zu erwarten?

Esch | Es gibt neuerdings eine bayerische Staatssekretärin, die für Digitalisierung zuständig ist. In Bayern selbst wurden die Vermessungsbehörden umbenannt in Amt für Digitalisierung usw. und irgendwo am Schluss kommt dann Vermessung. Alle reden von Digitalisierung, keiner weiß, was damit gemeint ist.

Heide | Dabei geht es um den Breitbandausbau.

Esch | Auch. Mit Kabeln allein ist es aber nicht getan.

Heide | Man muss das alles nüchtern sehen. Brüssel greift hier immer mehr ein, zuletzt mit dem Urteil des EuGH vom 30. Ja­nuar 2018. Taufrisch, dieses Urteil, mit dem der EuGH entschie­den hat, dass die in der Dienstleistungsrichtlinie enthaltenen Regelungen zur Niederlassungsfreiheit von Dienstleistungserbringern auch auf rein innerstaatliche Sachverhalte anwendbar sind. Hierbei ging es darum, dass bei der Bauleitplanung be­stimmte Dinge nicht mehr von den Ländern geregelt werden dürfen. Speziell ging es um die Verkaufsfläche von Schuhläden im Randbereich der Städte. Das ist ein Prozess, der immer wei­terläuft, wenn da keiner interveniert in Bezug darauf, was nun wirklich Bund oder Land zu entscheiden haben sollte.

FORUM | Wie sehen, mit diesen Erwartungshaltungen, konkret die Herausforderungen an unseren
Berufsverband in den nächsten vier, fünf Jahren aus?

Jacubeit | Ich erwarte, dass die Bundesregierung sich gegen die Brüsseler Bestrebungen und auch gegen die Deregulierungs­absichten noch wehrt.

Esser | Das ist nicht so einfach. Wir leben doch davon, dass ge­baut wird. Bauboom ist zurzeit da, und der wird ungebrochen auch weitergehen. Der Bund legt jetzt ein Investitionsprogramm für die Länder, für die Kommunen im schulischen Bereich, im hoch­schulischen Bereich auf, auch im Wohnungsbau tut sich im­mens was. Man versucht, die Vermögensbildung im Eigentum bei jungen Familien zu erleichtern, die Höhe der Grunderwerbsteuersätze, dafür sind aber die Länder zuständig, ist ja un­er­träg­lich. Da versucht man jetzt, auf Bundesebene Ausnahme­rege­lungen zu schaffen für junge Familien, eine Initiative aus NRW ist das. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind ei­gent­lich für die nächsten vier Jahre für uns optimal. Wir müs­sen al­so aufpassen, dass wir hier nicht auf zu hohem Niveau klagen. Und dass der Breitbandausbau überfällig ist, ist auch klar. Und dass da jetzt endlich das Wirtschaftsministerium oder das Kanz­leramt sich die Dinge vornimmt und eben nicht nur vier Minis­terien zuständig sind, sondern vom Kanzleramt aus über die neue Staatsministerin dort etwas passiert, ist doch in unserem Interesse. Wenn wir irgendwo in der Prärie stehen und brauchen Netzanschluss, gibt es den im Augenblick nicht, und da muss was ge­sche­hen. Und ich glaube, dass auch über die neuen jungen Mi­nis­ter Impulse rausgehen.

FORUM | Frau Bär gilt als Verfechterin von Open Data. Was be­deutet das für uns? Wofür überhaupt Open Data?

Esch | Die Entscheidung für oder wider Open Data treffen lei­der nicht wir, sondern die Landesregierungen. Es ist meines Erachtens von Vorteil, wenn Open Data eingeführt werden. Wenn man sich z. B. anschaut, bei der Immobilienbewertung in NRW und in den anderen nörd­lichen Ländern, wie hoch die Bodenrichtwerte sind. Sie schauen ins Internet und sehen, in Köln kos­tet ein Quadratmeter so viel und in Hamburg so viel. Gehen Sie mal nach München: null. Nirgendwo in Bayern können Sie die Bodenpreise öffentlich einsehen. Alles wird versteckt, und das führt zu einer mangelnden Transparenz und damit zu einer Verteuerung. Aber ich würde noch mal zurückkommen auf die Politik. Sie erinnern sich ja, irgendwann nach der Tsunami-Ka­tastrophe in Japan wurde in Baden-Württemberg Grün gewählt; und Baden-Württemberg geht es ja trotz der grünen Regierung gut. Man sollte also die Leistungen der Bundesregierung nicht überbewerten. Die gute Wirtschaftslage, welche wir derzeit ha­ben, kommt ja auch zu einem großen Teil von den billigen Ölpreisen. Wenn die Ölpreise mal wieder anziehen und der Benzinpreis auf zwei Euro klettert und es dann auch noch ernste Probleme mit den Amerikanern, Russen oder anderen Handels­partnern geben sollte, dann möch­te ich gern mal sehen, wie sich das auf unsere Wirtschaft aus­wirkt. Ich bin nicht der Meinung, dass die von der neuen Bundesregierung geplanten Maß­nahmen sich merklich auf unsere Wirtschaft auswirken ...

 

Lesen Sie das ganze Interview im aktuellen FORUM.

 

 

Rainer Brüggemann

Geboren 17. Januar 1960
Verheiratet, 3 Kinder

1980 bis 1983 Studium der Geodäsie Hochschule Mainz
1984 bis 1986 Laufbahnprüfung gehobener Dienst, Kreis Steinfurt
1986 bis 1989 Kreisverwaltung
Steinfurt, Katasterverwaltung
1989 bis 1993 Stadtvermessungsamt Moers
1994 Ernennung zum ÖbVI
1994 bis 2004 ÖbVI in Partnerschaft mit ÖbVI Müller/Borchers in Moers
seit 2004 ÖbVI in Xanten

Michael Zurhorst

Geboren 23. Mai 1957
in Werne
Verheiratet, 3 Kinder

1977 bis 1982 Studium der
Geodäsie an der Rheinischen
Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn,
Abschluss Dipl.-Ing. Vermessungswesen
1983 bis 1985 Referendariat
für den höheren technischen
Ver­waltungsdienst
1985 bis 1986 Angestellter
im ÖbVI-Büro B. Zurhorst & Schütze, Werne
ab 1986 ÖbVI in Werne
bis 1999 in Arbeitsgemeinschaft
mit ÖbVI Schütze
ab 2008 in Arbeitsgemeinschaft
mit ÖbVI Alexander Zurhorst
ab 1994 Mitglied der Vertreter­versammlung der Ingenieurkammer-Bau NW (IKBau NW), Düsseldorf
1987 bis 2008 Vorstandsmitglied
BDVI-Landesgruppe NRW
ab 1990 Mitglied des
Hauptvorstandes BDVI Bund
ab 2004 Mitglied des Vorstandes
der IKBauNRW
ab 2008 BDVI-Präsident
ab 2009 Vorsitzender der
Fachkommission Vermessung des
Ausschusses für die Honorarordnung (AHO e. V.), Berlin

Hans Ulrich Esch

Geboren 25. April 1957
in Alf
Verheiratet, 2 Kinder

1984 Abschluss Geodäsiestudium Technische Hochschule Darmstadt
1984 bis 1986 Referendariat bei der Vermessungs- und Katasterverwaltung des Landes Rheinland-Pfalz
1986 bis 1988 Praktische Tätigkeit
als Assessor bei den Katasterämtern
in Alzey und Bad Kreuznach sowie
bei dem ÖbVI Hellmuth Wagner in Wittlich
1988 Bestellung zum ÖbVI in Zell/Mosel, seit 1997 in Cochem
1995 bis 2014 Vorsitzender der
BDVI-Landesgruppe Rheinland-Pfalz
seit 2008 Vizepräsident des BDVI

Wolfgang Heide

Geboren 28. März 1951
in Pirna
Verheiratet, 2 Söhne

1975 Abschluss Geodäsiestudium Hochschule Dresden (IGK)
1979 bis 1985 Fernstudium
an der TU Dresden,
Abschluss als Dipl.-Ing. Geodäsie
1975 bis 1990 Tätigkeit in der
Ingenieurvermessung bei
Geodäsie und Kartographie in
Cottbus, Berlin und Dresden
1991 Bürogründung als Ingenieurbüro und Messberechtigter für hoheitliche Katastervermessungen
1995 Bestellung zum ÖbVI in Dresden
1992 bis 2011 Vorsitzender der
Landesgruppe Sachsen des BDVI
seit 2011 Vizepräsident des BDVI

Thomas Jacubeit

Geboren 20. Januar 1965
in Berlin
Ledig, 2 Kinder

1990 Abschluss des Geodäsiestudiums an der Technischen Universität Berlin
1991 bis 1993 Referendarzeit
bei der Senatsverwaltung für Bau-und Wohnungswesen (SenBauWohn) Berlin
1993 bis 1997 Arbeit als Vermessungs­assessor im Büro
der ÖbVI Dr. Schwenk und Wanjura
1997 Bestellung zum ÖbVI in Falkensee
seit 2017 BDVI-Vizepräsident

Heinz Christian Esser

Geboren 23. Juli 1945
in Limbach
Verheiratet, 6 Kinder,
5 Enkelkinder

seit 1975 niedergelassen
als Rechtsanwalt in Köln
seit 1978 Justiziar des BDVI
seit 1985 gemeinsame Kanzlei mit
Rechtsanwalt Dr. Rüdiger Holthausen