Fokus: Erde – Einleitung
Der Beruf des Vermessers ist in unserer Zeit vermutlich recht gut angesehen. Vor allem, da doch einige andere vormals hochgeschätzte Berufe offensichtlich etwas in Verruf geraten sind. Aber wenn es darum geht, zu erklären, warum wir eigentlich alles immer wieder vermessen und wieso nicht einfach Google Maps als Nachweis der Grundstücksgrenzen genutzt wird, führt dies doch oftmals zu einer recht theoretischen Unterrichtung.
Daher hat sich ein Historiker aus Potsdam das Ziel gesetzt, nicht nur dem interessierten Laien die Ursprünge und Grundlagen der Vermessung auf eine anschauliche Art näherzubringen.
Der Kurator Dr. Johannes Leicht hat dazu aus Anlass des 125-jährigen Jubiläums des Königlich-Preußischen Geodätischen Instituts mit Sitz in Potsdam eine Ausstellung zur Geschichte der Geowissenschaften in Potsdam und in Deutschland initiiert.
Diese Geschichte ist eng verbunden mit dem Potsdamer Telegrafenberg, sicherlich einem der traditionsreichsten Wissenschaftsstandorte Deutschlands, der weltweite Bekanntheit als Forschungszentrum der Geodäsie, der Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erde, erlangte.
Dr. Leicht beschäftigt sich als freiberuflicher Historiker neben Projekten zu Unternehmensgeschichten und Familienforschungen vor allem mit diversen Ausstellungsprojekten. Mit der Ausstellung zur Geodäsie, insbesondere im Rahmen von Vorträgen und Führungen, hat er es verstanden, den Besuchern mit einem eher feuilletonistischen als wissenschaftlichen Stil die Anfänge der königlich-preußischen Vermessung nahezubringen. Dies ist Anlass genug, auch den Lesern des FORUM die Möglichkeit zu geben, an den Ausführungen teilzuhaben. Zwar ist die Ausstellung im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam bereits beendet. Aber
Dr. Leicht hat für das FORUM in mehreren Kapiteln die wesentlichen Inhalte der Ausstellung zusammengefasst. Das erste Kapitel in dieser Ausgabe gibt einen Überblick über die wissenschaftlichen Präzisionsmessungen des Königlich-Preußischen Geodätischen Instituts. So ist festzuhalten, dass verschiedene Staaten in den 1860er-Jahren sehr wohl gemeinsam vermessen konnten, auch wenn sie sich miteinander im Krieg befanden. Weiter erfährt der Leser, dass die Potsdamer Wissenschaftler im Sommer 1892 die Bonner Basis genauer vermessen haben als die preußische Landesvermessung und dass für ein Präzisionsnivellement der Elbe 9.783 Stativstandorte erforderlich waren.
Es folgt in der nächsten Ausgabe eine anschauliche Beschreibung von Schweremessungen, dabei stehen Apparate aus verschiedenen Zeiträumen im Mittelpunkt. In weiteren Kapiteln werden Vermessungsprojekte in verschiedenen Teilen der Erde, beispielsweise die erste deutsche Südpolarexpedition von 1901 bis 1903, vorgestellt. Als Abschluss dieser Reihe erläutert Dr. Leicht in verständlicher Weise, warum die Erde eiert und weshalb diese Erkenntnis mit einer Expedition nach Hawaii zusammenhängt.
Das Ziel von Dr. Leicht, der keine Ausbildung im Bereich der Vermessung vorzuweisen hat, ist es wie schon bei der Ausstellung auch bei diesen Erläuterungen nicht, den zumeist doch fachlich gut ausgebildeten Lesern des FORUM eine Weiterbildung zu den Ursprüngen der Geodäsie zu ermöglichen. Vielmehr lohnt sich die Lektüre zum einen für die Experten, um sich nochmals einige wissenschaftliche Zusammenhänge auf verständliche Art zu verdeutlichen. Zum anderen erfahren gerade die weniger wissenschaftlich orientierten Leser in der vorliegenden und in den folgenden Ausgaben sicherlich einiges Neues aus der Geschichte der Geodäsie.
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