Dieter Seitz und Thomas Schürle waren vom 26. bis 28. Juni 2018 in Bordeaux bei dem alle zwei Jahre stattfindenden Kongress des OGE (Ordre des Géomètres-Experts). Dieter Seitz erhielt eine Einladung des OGE als Präsidiumsmitglied von CLGE, Thomas Schürle als Nachfolger von Dieter Seitz in der zukünftigen Beziehung zu Frankreich wurde vom BDVI entsendet.
Der Kongress des OGE findet immer in einem sehr großen Rahmen statt. Mehr als 800 der 1.500 französischen Kollegen waren anwesend, alle Diskussionen und Vorträge fanden in einem großen Auditorium mit Filmaufnahmen statt. Gleichzeitig fand eine Ausstellung der wichtigsten Geräte- und Softwarehersteller statt, die den Kollegen einen Überblick über die moderne Hard- und Software brachte.
Uhr begann der Kongress mit den Begrüßungsreden des Kongressdirektors und Geschäftsführers des OGE, Hervé Grélard, und des Präsidenten des OGE, Jean François Dalbin. Anschließend sprach Madame Laurence Parisot, eine erfolgreiche französische Unternehmerin, über erfolgreiche Unternehmensführung. Der Präsident des OGE Bordeaux begrüßte zum Schluss alle Teilnehmer und wünschte ihnen schöne Tage in Bordeaux.
Am Mittwochmorgen begann um 9:30 Uhr die erste Sitzung zum Thema »In welcher Welt leben wir?« mit der Rede des belgischen Philosophen Marc Luyckx Ghisi »Die Rolle des Experten in der Welt«. Er zeigte die Entwicklung der Menschheit von Anbeginn bis heute.
Anschließend stellte Maurice Barbieri, Präsident von CLGE, die Rolle und die Aufgabe von CLGE dar, und am Schluss sprach Rani el Meouch von der ESTP (École spéciale des travaux publics,
du bâtiment et de l’industrie), einer der wichtigsten Ingenieurschulen in Frankreich, über die heutigen Studenten.
In den nächsten Sitzungen kamen dann ein Organisationsstratege und Politikmanager und ein Unternehmenscoach zu Wort, die über das Thema »Vielschichtiger Beruf und Exzellenz« sprachen. Am Nachmittag diskutierte das Plenum über die Multidisziplinarität des Berufes und wie man in den Büros Vertrauen, Motivation und Wechsel aufbauen kann, das Leitthema war
« Bâtir notre avenir » (»Bauen wir uns eine Zukunft«). Den Abschluss der Vorträge bildete Michel Podolak, ein Dirigent und Künstler, der am Beispiel eines Orchesters sehr anschaulich die verschiedenen Möglichkeiten für Motivation und Mitarbeiterführung erläuterte.
An der Abendveranstaltung in einem umgebauten Lagerhaus am Ufer der Garonne nahmen ca. 500 Kollegen teil, die den Aperitif, das gute Essen und Trinken und die Vorstellung eines Zauberers genossen.
Der Donnerstag stand unter dem Leitthema »Hinwendung des Berufs zur Gesellschaft«. Der Vorschlag des Ordre an seine Mitglieder war, den Berufsstand des Géomètre-Expert für Master des Rechts zu öffnen, die eine Prüfung in Vermessung nachgewiesen haben. Die Notwendigkeit von guten Rechtskenntnissen ist in der Natur des Katasters von Frankreich begründet, eine Kooperation von Rechtsanwälten und Géomètres ist daher schon heute in einigen Büros vorhanden.
Des Weiteren wurde beschlossen, eine Art Spezialisierung der Géomètre-Experts zuzulassen. Ähnlich wie bei den Rechtsanwälten sollen Kollegen durch Weiterbildung spezielle Fachgebiete als ihre Spezialität anbieten und damit »werben« können.
Eine andere Abstimmung fiel ebenso positiv aus: die Abstimmung über die Veröffentlichung der Grenzniederschrift in Innerfrankreich in einer Datenbank des OGE. Dazu muss man wissen, dass die Grenzniederschrift des Géomètre-Expert, in der alle Nachbarn den Grenzen zugestimmt haben, bisher nur in dem Büro des Kollegen verblieb. Wenn man Jahre später was wissen wollte, musste man sich an den Kollegen wenden, der damals vermessen hatte. Das ist damit zu erklären, dass es in Frankreich nur ein Fiskalkataster gibt, den Staat interessiert nur die Größe des Grundstücks, nicht die Sicherung von dessen Grenzen (ausgenommen Elsass-Lothringen, das geschichtlich bedingt ein Kataster wie Baden hat).
Im Rahmen der Schlusszeremonie wurde dann noch das neue Motto der Géomètre-Experts präsentiert:
« Géomètre-expert, garant d’un cadre de vie durable ».
Frei übersetzt: Geomètre-expert, Garant für nachhaltige Städteplanung und ein lebenswertes Umfeld.
Der Abschluss des Kongresses fand in feierlichem Rahmen bei einem Galadinner in der Börse von Bordeaux statt.
Der Kongress war hochprofessionell organisiert, die Sprache immer geschlechtsneutral, und in der Kongresshalle mit den Fachvorträgen waren im Schnitt immer 900 Zuhörer. In Summe waren 1.400 Teilnehmer gemeldet, die aber nicht alle an allen Tagen da waren.
Neben den Kongressthemen konnte auch der Kontakt zu den französischen Kollegen vertieft werden, auch zu den belgischen Kollegen, die im Moment im Begriff sind, auch einen Ordre des Géomètre-Experts zu gründen.
Weitere Infos: www.geometres-francophones.org
Zum Artikel im FORUM.
Dipl.-Ing. Dieter Seitz
Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur a. D.
dieter(at)seitz-ortenberg.de
Dipl.-Ing. Thomas Schürle
Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur
info(at)schuerle-vermessung.com