Prof. Dr.-Ing. Karl-Friedrich Thöne

In memoriam

thoenerl00459_8843_600x400Am 15. Juli 2016 verstarb Karl-Friedrich Thöne plötzlich und unerwartet 20 Tage vor seinem 60. Geburtstag. Bei der Ausübung seines liebsten Hobbys, der Jagd, ereilte ihn ein plötzlicher Herztod. Nicht nur, aber auch in der geo­dätischen Gemeinde herrschen Trauer, Fassungslosigkeit und Bestür­zung. Die führende Kraft der Geodäten­welt in Deutschland wurde mitten aus dem Leben gerissen. Wie kann das sein? Solch ein tragisches Ereignis veranlasst zum Innehalten und zum Nachdenken über Lebensfragen. Karl-Friedrich Thöne freute sich darauf, demnächst Großvater zu werden. Er hatte noch so viele private und berufspolitische Pläne und Ziele. Seine Pläne kann er nicht mehr verwirklichen, aber sie bleiben seiner Familie und sind uns eine Art Vermächtnis.

 

Nach dem Geodäsiestudium und der Promotion an der Technischen Universität Berlin nahm Karl-Friedrich Thöne Tätigkeiten in der niedersächsischen Landesverwaltung und dann in der Bundesverwaltung an. 1998 wechselte er nach Thüringen, wo er zuletzt Leiter der Abteilung 5 – Länd­licher Raum, Forsten – des Thüringer Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft war und somit einer der ranghöchsten Geodäten in Deutsch­­land. Wer ihn kannte, wird bestätigen, dass diese Funktion einer­seits seinen fachlichen und persönlichen Ansprüchen an sich selbst ent­sprach und andererseits seine Persönlichkeit widerspiegelte: Er war ein ganz Großer unserer geodätischen Gemeinschaft!

Karl-Friedrich Thöne hatte zahlreiche berufsständische und gesell­schaft­liche Ehrenämter inne wie z. B. im Aufsichtsrat der Thüringer Tourismus GmbH, im Stiftungsrat der Stiftung Naturschutz Thüringen und als stell­vertre­tender Vorsitzender im Aufsichtsrat der Thüringer Landgesellschaft mbH. Sein vielfältiges ehrenamtliches Engagement spiegelt sich besonders in seinem Wirken im DVW Gesellschaft für Geodäsie, Geoinfor­mation und Land­management e.V. wider. Seit 2009 war er Präsident des DVW, davor lang­jähriger Vizepräsident. Initiiert von seinem Vorgänger im Amt, Hagen Graeff, hat sich der DVW unter der Ägide von Karl-Friedrich Thöne zu­nehmend zu ei­nem national und international anerkannten führenden Player ent­wickelt: Die INTERGEO® wird weltweit größte geodäti­sche Fachmesse und größter Fachkongress, Deutschland kommt eine tragende Rolle in der internatio­na­len geodätischen Vereinigung Fédération Internatio­nale des Géomètres (FIG) zu und die Zusammenarbeit der nationalen Geo­däsie­verbände
BDVI, DVW und VDV nimmt im positiven Sinne unge­ahnte Formen im Rahmen der Interessengemeinschaft Geodäsie (IGG) an. Deren aktuelles Projekt einer zukünftig eigenständigen Geodäsie-Akademie für Deutsch­land ist ein prägnantes Beispiel der Verbändezusammenarbeit, die Karl-Friedrich Thöne mit innerer Überzeugung mitgetragen hat.

Mit der Professur für Landmanagement an der Technischen Universität Dresden war Karl-Friedrich Thöne auch in die wissenschaftliche Ent­wick­lung der Geodäsie eingebunden und förderte den geodätischen Nachwuchs. Landmanagement war für ihn ein zentrales Betätigungsfeld für Geodäten. Ländliche Neuordnung, Dorferneuerung, Flurbe­reini­gung mit einem besonderen Augenmerk auf Weinberge waren Beruf und Berufung. Vermessen war für ihn eine geodätische Grundaufgabe, die Lösung gesellschaftlicher Fragen rund um Bodeneigentum die Kür des Geodäten.

Karl-Friedrich Thöne war eine Persönlichkeit mit Charisma, Enthusiasmus, festen Prinzipien und stets lösungsorientierten Ansätzen. Er ­hatte nicht nur Visionen vom Bild des Geodäten, sondern arbeitete konti­nuier­lich an zukunftsorientierten Lösungen. Er skizzierte den ­Zuhörern gerne Model­le für die Zukunft, die man ihm auch als machbar abnahm. Er stand gerne vorne und tat es brillant. Man kann auch sagen: Er brauch­te Sonne, aber er konnte auch Sonne!

Er hatte viele Ideen, u. a. den Berufsstand der Geodäten zu stärken durch Heraus­stellen der Bedeutung der Geodäten für gesellschaftliche Mega­themen wie Infrastruktur, Energiewende, demografischer Wandel und Klima­wandel. Die Lösung der Nachwuchsproblematik auf allen geodä­tischen Ausbildungsebenen lag ihm am Herzen. Einen berufsständi­schen Traum hegte er mit besonderer Nachhaltigkeit, nämlich die deutschen Geodäten in einem Verband vereinigt zu sehen. Dass die Öffentlich be­stellten Vermessungsingenieure als »special interest group« eine eigene Identität brauchen, war ihm klar und die Integration des BDVI in den DVW war für ihn geregelt: durch die pauschale Mitgliedschaft jedes BDVI-Mitgliedes im DVW, die Besetzung eines DVW-Vizepräsidenten mit einem BDVI-Ver­treter, den gemeinsamen Auftritt von DVW und ­BDVI bei der FIG in der Welt und beim CLGE in Europa. Daher war sein Ziel, auch den VDV und den DVW näher zusammenzubringen, um eine ge­mein­same Außendarstellung im Sinne eines Mehr­wertes für alle Geo­däten zu schaffen. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Weg weiter beschritten wird.

Ich lernte Karl 2008 als frisch gewählter BDVI-Präsident persönlich kennen, als Hagen Graeff mir ihn als seinen Nachfolger vor­stell­te und uns beide mahnte, die zwischen Volkmar Teetzmann als mei­nem Vorgänger und ihm – Hagen Graeff – begon­nene Zusammen­arbeit ­for­tzusetzen. Dies mündete dann in das erste Ver­bands­spitzen­treffen mit der Sieker Er­klärung von Anfang 2010. 2008 war nicht nur der Beginn ei­ner neuen Zusammenarbeit, sondern auch einer sich stetig entwickelnden privaten Freundschaft zwischen Karl und mir, die gemeinsame Reisen und private Treffen einschloss, bei denen es meist um unser gemeinsames Lieb­lings­thema »Essen und Wein« ging. In diesen acht Jahren hat sich eine Freund­schaft entwickelt, die durch Kenntnis der Fähigkeiten und Einstellungen des jeweils anderen zu einem tiefen Vertrauen geführt hat. Karl hatte einen tief verankerten Wertekanon. Einmal mehr ist dies ein Beweis, dass Menschen, die sich verstehen, gemeinsam viel bewegen können.

Die Geodäsie in Deutschland hat mit Karl-Friedrich Thöne einen ganz großen Vertreter verloren, der DVW hat seinen Vordenker verloren, der BDVI einen verlässlichen Partner und ich einen meiner besten Freunde. Er fehlt mir.

Wir alle werden Karl-Friedrich Thöne ein ehrendes Gedenken bewahren und wir werden seinen Ideen noch lange be­gegnen.

Unsere Gedanken sind aber auch bei seiner Frau Jutta und der ganzen Fa­milie, die mit ihm einen treu sorgenden Mann und Vater verloren haben.

Berlin, den 1. August 2016

Michael Zurhorst