Liebe Leserin, lieber Leser,

als geneigter Leser des FORUM wird Ihnen eine Änderung in unserer Verbandspublikation nicht ent­gan­gen sein: Den unübertrefflichen Wortwitz unseres Schriftleiters Andreas Bandow sucht man ver­geblich. Ein Jahrzehnt lang freute man sich über seine süffisant und humorvoll geschriebenen Editorials im FORUM. Geradezu legendär ist seine Interpretation der biblischen Weihnachtsgeschichte als bauordnungsrechtlich unerlaubte Umnutzung eines Stalles. Mit Ablauf des Jahres 2018 hat Andreas Bandow die Schriftleitung aus der Hand gegeben. Der BDVI ist ihm zu außerordentlich großem Dank verpflichtet für die herausragende Arbeit.

In den zurückliegenden zwei Heften hatte dankenswerterweise Walter Schwenk kommissarisch die Schriftleitung übernommen. Seit Juni 2019 übt Rainer Brüggemann formal diese Funktion aus. Formal deshalb, weil laut BDVI-Satzung der Schrift­leiter des FORUM Mitglied des BDVI-Präsidiums ist, um eine Kohärenz zwischen Verbands­meinung und
FORUM-Inhalten zu gewährleisten. Kohärenz bedeutet allerdings nicht Zensur. Eine Vielfalt an Meinungen ist im FORUM ausdrücklich erwünscht. Die inhaltliche Schriftleitung wird die neue BDVI-Referentin Katrin Giese übernehmen, die als diplomierte Kulturwissenschaftlerin sicher ein Händchen für das FORUM haben wird. In diesem Zusammenhang soll an dieser exponierten Stelle das gesamte Redaktionsteam hervorgehoben werden, das sich sonst immer nur im klein gedruckten Impressum der drittletzten Seite wiederfindet: Andreas Bandow, Thomas Drees, Christoph König, Ulrike Pennekamp, Frank Reichert, Walter Schwenk, Martin Ullner und Martina Wolkowa-Norda. Ja, Sie haben richtig gelesen. Wir freuen uns, dass Andreas Bandow im Redaktionsteam wieder mitarbeiten möchte. Als Präsident des BDVI freue ich mich auf die kommenden Aus­gaben unseres neuen alten FORUM und hoffe, dass Sie der BDVI-Verbands­zeitschrift weiterhin als Leser gewogen bleiben.

»Fachkräftenachwuchs« – dieses Stichwort zieht sich als Megathema durch die Artikel dieser Ausgabe. Vor dem Hinter­grund dieser drängenden Problematik las ich vor Kurzem ein interessantes Interview mit dem OECD-Bildungs­experten Andreas Schleicher in der Zeitschrift »Capital«. Der Physiker und Bildungsforscher erläutert darin: »Die Frage ist,
wie wir Mathematik kreativer vermitteln können. Warum etwa wenden wir (…) so viel Zeit auf, um Trigono­metrie zu lehren? (…) Der Grund, warum wir das heute unterrichten, ist, dass wir das vor 400 Jahren gebraucht haben, um die Größe unserer Felder zu messen. Es ist im Grunde tote Wissenschaft. (…) Im Bereich der Mathematik kreativ zu denken, heißt etwa, mit probabilistischen Zusammenhängen zu arbeiten, also mit Wahrscheinlichkeitsaussagen und -algorithmen. Das ist ja ein wichtiges Thema der heutigen Welt, dass sich oft nicht mehr klar zwischen richtig und falsch entscheiden lässt.« In diesem gedanklichen Ansatz steckt für uns Geodäten ein großes Potenzial, denn die Herausforderungen unseres geodätischen Arbeitslebens bestehen heute weniger in der Berechnung immer vielfältigerer Sensordaten, sondern in der Bewertung dieser Daten für die Lösung komplexer Aufgabenstellungen. Auf der anderen Seite habe ich neulich folgenden Dialog selbst erlebt. Ein Vater ruft seinem 16-jährigen Sohn im Garten zu: »Miss mal bitte den Abstand zwischen den Eckpfeilern des Garten­hauses!« Nach einer Weile ruft der Sohn zurück: »Etwas mehr als vier Meter.« Vater: »Geht es etwas genauer?« Sohn: »Nein, ich habe keinen dritten Zollstock!« Offenbar ist also die Frage von Herrn Schleicher etwas komplexer zu stellen, was wir in der Ausbildung in Mathematik tun müssen, um unseren Nachwuchs im Ingenieursektor im Allgemeinen und für uns Geodäten im Besonderen zu sichern.

Ich grüße Sie herzlich und wünsche Ihnen Freude beim Lesen.

Ihr
Michael Zurhorst, BDVI-Präsident

 

 

 

Michael Zurhorst

Dipl.-Ing. Michael Zurhorst

BDVI-Präsident
zurhorst(at)bdvi.de