Liebe Leserin, lieber Leser,

hätte ich die Sache mit dem Jubiläum (Seite 44) früher erfasst, hätte an Stelle der Karikatur auch ein repräsentatives Jubiläumsfoto platziert werden können.

Obwohl: Vielleicht blickt der Messlattenhalter, der Typ, der mit seinen Beinen in einem 50er und 60er Messkorb steht, auf 70 Jahre zurück.

Übrigens erfolgreiche Jahre, wenn man an die Selbstfindung der ÖbVI denkt und ihre Selbstbehauptung gegenüber ihrer Vermessungs-Umwelt.

Schnell noch einmal bei Wikipedia zum Begriff Selbstbehauptung nachgelesen. Danach ist »Selbstbehauptung« die Fähigkeit, sich nach außen hin (soziale Interaktion) der eigenen Grenzen und Rechte bewusst zu sein und diese kommunizieren zu können. Und, liebe Kolleg*innen, unter dieser Maßgabe haben die Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure und ihr Verband tatsächlich Bemerkenswertes erreicht, was fachliche Kompetenz und Interaktion betrifft.

Dieser Weg soll natürlich fortgesetzt werden. Und dazu fällt mir die nachfolgen­de kleine Systematik ein, die simpel daher kommt, aber in der Anwendung so hilfreich sein kann. Daniel Kahneman – 2002 Wirtschaftsnobelpreisträger – unter­scheidet zwei Denksysteme, die uns Menschen zur Verfügung stehen: Das Erfassungs-system unserer Umwelt, das neben einer ständigen Bereitschaft ein schnelles Denken erfordert und das Reflektionsmodell, das als langsames Denken ge­kenn­zeich­net werden kann. Das Besondere ist: Wir geben uns (alle?) gern mit der Aufnahme der Umwelteindrücke und einfachen Zuordnungen zu­frieden. Kahneman schreibt süffisant: Das zweite System ist faul.

Oder berufsbezogen: Wir arbeiten Aufträge ab, fachlich einwandfrei, zur Zufriedenheit der Auftraggeber. Wir fragen selten nach der gesell­schaft­lichen, z. B. Umwelt bezogenen Relevanz.

Mein Wunsch ist, dass ÖbVI wie BDVI ihre Arbeit in der Weise fortsetzen, dass sie beide Systeme, das offene Erfassungsmodell und eine unzensierte Reflektion pflegen oder entwickeln.

Die Beiträge in diesem Heft gehen den Doppelweg: Mit dem Blick auf die Besonderheiten der »städtebaulichen Wertermitt­lung« werden die Leser aufgefordert, mit der Entwicklung der Städte und der Herausbildung neuer Merkmale fachlich Schritt zu halten. Und auch der Beitrag über Bauschäden mahnt Reflektion über die Anstöße und Gründe an.

Es war eine Freude noch einmal ein FORUM-Heft einleiten zu dürfen.

 

Walter Schwenk

Dipl.-Ing.
Walter Schwenk

schwenk(at)bdvi-forum.de