Fachspezifischer Qualifikationsrahmen Geodäsie und Geoinformation

Vorwort
»Gut Ding will Weile haben, und vortreffliche Sachen werden ohne große Mühe und Arbeit nicht erworben.«

Eine Erkenntnis, die schon Christoffel von Grimmelshausen 1668 in seinem Roman »Abenteuerlicher Simplicissimus Teutsch« feststellte.

Rückblickend gilt diese Urweisheit auch für den Fachspezifischen Qualifikationsrahmen Geodäsie und Geoinformation (FQR_GG). Angestoßen durch die EU-Berufsanerkennungsrichtlinie (2005/36/EG) (BARL) kam es zur Diskussion über die Ausbildungsinhalte moderner Studiengänge nach der Bologna-Reform. Das Für und Wider des Europäischen und des Deutschen Qualifikationsrahmens (EQR und DQR) wurden diskutiert. In der Folge wagte der BDVI im Jahr 2014 den ersten »Aufschlag« zu einer Umsetzung des DQR auf Studieninhalte, Kompetenzen und Fertigkeiten für den Vermessungsingenieur.

Die Diskussion über die Novellierung der Ingenieurgesetze in den Bundesländern war in vollem Gange und trug nicht immer zur Sachlichkeit in der Frage der Ausbildungsziele bei. Aus der Hochschullandschaft kam der Vorwurf, damit würde die Freiheit von Forschung und Lehre beschränkt. Das war in keiner Weise das Ziel der Berufsträger im BDVI. Es stand allenfalls die Forderung nach einem überwiegenden MINT-Studienanteil im Raum.

In der Folge gründete sich eine AG im Fachbereichstag (FBT) Geoinformation, Vermessung und Kartografie unter dem Titel »Deutscher Qualifikationsrahmen Geodäsie und Geoinformation (DQR GG)«. Die AG veröffentlichte im Oktober 2014 ihren Entwurf. Auf der INTERGEO® trafen sich die Arbeitsgruppen des BDVI und FBT zur Diskussion. Von diesem ersten Arbeitsergebnis konnte kein abschließendes Ergebnis erwartet werden.

Erst auf der INTERGEO® 2016 fand im BDVI-Forum eine öffentliche Diskussion unter dem Titel »Qualifikationsrahmen in der Geodäsie – wie viel Ingenieur muss sein?« statt. Die Diskussionsergebnisse waren nicht einheitlich oder sogar widersprüchlich.

Es vergingen weitere zwei Jahre, bis die Gespräche nach einer Diskussion in der Deutschen Geodätischen Kommission im Sommer 2018 wieder in Gang kamen. Unter Gesprächsleitung von Prof. Dr.-Ing. Theo Kötter (Universität Bonn) gelang in wenigen Arbeitsrunden die Endfassung mit der Zustimmung aller Beteiligten und konnte im November 2018 verabschiedet werden.

An dieser Stelle sei allen Mitwirkenden gedankt für die konstruktive Zusammenarbeit und Unterstützung bei der Erarbei­tung des Dokuments.

Ein wichtiges gemeinsames Ziel muss nun sein, dass der FQR_GG die nötige fachliche Aufmerksamkeit bekommt. Der Abdruck im FORUM ist dafür ein erster Schritt. »Mit der Veröffentlichung ist die Hoffnung verbunden, dass dieser FQR_GG zu mehr Transparenz und verbesserter Kommunikation der Kompetenzen unserer Absolventen sowie der Qualität ihrer Abschlüsse beiträgt und eine weite Verbreitung und Beachtung bei künftigen Planungen und Akkreditierungen von Studiengängen der Geodäsie und Geoinformation findet!«, so Prof. Kötter in seinem Abschluss-Statement.

»Mit dem FQR_GG ist ein Meilenstein gesetzt worden. Meilensteine sind Orientierungspunkte. Dabei sind neue Entwicklungen nicht ausgeschlossen.« So formulierte es der mitwirkende Kollege Torsten Hentschel in seinem jüngsten Bericht zum ASIIN e. V.

Michael Zurhorst, BDVI-Präsident

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Michael Zurhorst

Dipl.-Ing. Michael Zurhorst

BDVI-Präsident
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