Niemals in meinem nunmehr 24 Jahre andauernden Berufsleben als Firmenberater bei der Vohrer GmbH & Co KG war mir in den Sinn gekommen, mich näher für das Katasterwesen in Russland zu interessieren. Dies änderte sich aber mit dem Vortrag von Vladimir Tikhonov vor dem Plenum des BDVI-Kongresses in Lüneburg.
In seinem Vortrag zeichnete er schlaglichtartig, welche Probleme und Aufgaben mit dem Zerfall der Sowjetunion (1992) für die Staatlichkeit des neuen Russland hinsichtlich der Verteilung und Nutzung von Grund und Boden auf die Tagesordnung traten.
Auf dem »Markt der Möglichkeiten« im Rahmen des Kongresses kam ich dann an unserem Ausstellungsstand mit Vladimir Tikhonov ins Gespräch. Unmittelbar interessierte er sich offensichtlich für unsere Tätigkeit als Versicherungsmakler für die Haftpflichtversicherung von Öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren in Deutschland. Nur wenige Tage später kam aus Moskau die Anfrage, ob ich im Rahmen eines Seminars in Moskau über die wesentlichen Aspekte dieser spezifischen Haftpflichtdeckung und unsere Erfahrungen bei der Bearbeitung von Schadenfällen referieren könnte. Seitens des BDVI wurde das Vorhaben unterstützt und in diesem Kontext konnte die Geschäftsleitung von Vohrer meine dreitägige Dienstreise quasi nur genehmigen.
Für den 24. Juli 2018 wurde von der Assoziation SRO »Katasteringenieure« zu einem russisch-deutschen Seminar zum Thema »Die Systeme der Berufshaftpflichtversicherung von Katasteringenieuren in Russland und Deutschland« eingeladen. Die Veranstaltung fand im Vorfeld der ordentlichen Generalversammlung der Assoziation im Auditorium der »Staatlichen Universität für Flächennutzung und Kataster« statt.
Wie es sich für Reisende gehört, befasste ich mich im Vorfeld zunächst mit Informationen über den Ursprung dieser Bildungseinrichtung. Im Zuge der während der Regentschaft von Katharina der Großen durchgeführten Landreform entstand gewaltiger Personalbedarf, um die mit weitreichenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Effekten verbundene Ausbildung des Territoriums des russischen Staates zu bewältigen.
So wurden 1779 diese Universität wie auch weitere Bildungseinrichtungen des Genres »Geodäsie und Kartografie« gegründet. Insidern ist die Kurzbezeichnung GUZ sehr vertraut.
Im weitesten Sinne ging es bei den geodätischen und kartografischen Aspekten der Ausbildung neben den Herausforderungen des Militärs immer auch ganz zentral um die konkrete Gestaltung der Eigentumssicherung an Grund und Boden sowie nicht zuletzt um seine Besteuerung. Das war in den europäischen Monarchien des 18. und 19. Jahrhunderts offensichtlich ein relativ zeitgleicher Entwicklungstrend ...
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Thomas Grubann
Vohrer GmbH & Co KG
Niederlassung Berlin
thomas.grubann(at)vohrer.de