Bericht einer »Klageflut«

Am Anfang stand die Aufgabe: »Prüfen Sie durch technisches Nivellement, ob es möglich ist, den örtlich teilweise vorhandenen Graben natürlich zu entwässern.«

Die Beauftragung erfolgte durch die Gemeinde 1997 und ein Ingenieurbüro sollte eine Lösung ent­wickeln. Ein Lage- und Höhenplan, von mir favorisiert, wurde aus Kostengründen abgelehnt. Ein Längsprofil sollte reichen.

Bei einem Ortstermin mit dem Ingenieurbüro stellte sich heraus, dass der Graben teilweise verrohrt, teilweise durch Gebäude überbaut, Schächte von den Eigentümern teilweise selbst errichtet, lage­mäßig zwar richtig, aber höhenmäßig nach freiem Ermessen gebaut waren, dass es unterschiedliche Rohrdimensionen in unterschiedlichen Höhenlagen gab, einen Verlauf im Bogen und einen Eigen­tümer (von acht), der uns jegliches Betreten seines Grundstückes zu Vermessungsarbeiten untersagte. Selbstverständlich waren alle Grundstücke eingezäunt und verschlossen und der Graben verlief mittig im Grundstück. Man konnte sehen, dass der ursprünglich als Oberflächenentwässerung im vorigen Jahrhundert angelegte Graben inzwischen randvoll mit Abwasser stand und sich auch zurückstaute.

Jeder Eigentümer bestand auf der Wahrung »seines Besitzstandes« und sagte: Wegen DEM DA HINTEN ändern wir gar nichts. DER DA HINTEN, Herr N., war der vorletzte Oberflutanlieger dieses Grabens und der Auffassung, dass durch die falsche Bauweise der Unterflutanlieger sein ebenfalls komplett verrohrtes Grabenstück durchnässt und verseucht werde.

Entsprechende Verbalattacken mit tätlichen Angriffen gegen seinen unmittelbaren Nachbarn gingen bereits dem Vermessungstermin voraus und die Gemeinde als Eigentümer sollte schließlich den Graben so gestalten, dass Herr N. sein Grundstück ordnungsgemäß entwässern kann – eigentlich nur den nächsten Nachbarn dazu zwingen, »dessen Grabenstück« so tief auszuschachten, dass Herr N. wieder ruhig schlafen kann.

Dies sind nun die besten Voraussetzungen, um als Vermessungsbüro tätig zu werden, und eigentlich fängt jetzt erst die Geschichte an, die nach meiner Auffassung wert ist, dem geschätzten Leser des FORUM nahezubringen und das Gefühl zu vermitteln, dass es noch andere »Leidensgenossen« gibt oder, Gott sei Dank, dass es so etwas bei uns nicht gibt, oder es wird Zeit, dass der Papst dort einmal zu Besuch kommt (war auch da am 23. September 2011).

Dass sich die Landesgruppe Thüringen, der BDVI Bund, drei Thüringer ÖbVI, Amts-, Landes- und Verwaltungsgerichte mit diesem und tangierenden Fällen zum gleichen Sachverhalt aus­einanderzusetzen hatten, sollte die Neugier zum Weiterlesen wecken.

Hier geht's zur vollständigen Klageflut (Seite 38).

 

Michael Körner

Dipl.-Ing. Ottmar Weinrich

Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur
ottmar.weinrich(at)vermessung-weinrich.de