»Den größten Schritt geht der Bewerber …«

Ausländische Fachkräfte als Chance für das Vermessungswesen

ÖbVI Michael Homoet aus Coesfeld beschäftigt seit Anfang 2019 den Vermessungsingenieur Lazar Beronja aus Serbien. Die Vermessungsingenieurin Ehlimana Kulenovic΄ arbeitet seit Anfang 2017 im Vermessungsbüro Rox und Mertens in Kempen. Im folgenden Interview berichten ÖbVI Michael Homoet und ÖbVI Thomas Rox darüber, welche Hürden es zu meistern galt, um beiden eine Anstellung in Deutschland zu ermöglichen. Das Interview führte die Historikerin Dr. Maria Schubert.

 

FORUM | Frau Kulenović, Herr Beronja, wie sind Sie dazu gekommen, sich in Deutschland bei einem ÖbVI-Büro zu bewerben?

BERONJA | Meine Frau und ich haben gemeinsam entschieden, dass wir nach Deutschland kommen wollen, um eine berufliche Zukunft zu finden. Sie ist Ärztin von Beruf und ich bin Vermessungsingenieur. In Serbien findet man keinen Arbeitsplatz, wo man sich weiterentwickeln kann und eine Perspektive hat. Ich habe einige Freunde, die in Deutschland arbeiten. Von ihnen hatte ich gehört, dass es hier viele Möglichkeiten gibt.

KULENOVIĆ | Bei mir war es auch die Situation in Bosnien. Dort ist es schwierig, einen festen Job zu finden. Ich habe nach dem Studium der Geodäsie viele Auftragsarbeiten erledigt und befristete Verträge gehabt. Hinzu kommt, dass man es als Frau im Baugewerbe in Bosnien noch schwerer hat. Ich habe oft gehört: »Das ist etwas für Männer …« Ich wollte einen guten Job haben, eine Karriere machen.

FORUM | Herr Homoet, Herr Rox, was hat Sie dazu bewogen, für Ihre Stellenausschreibungen auch ausländische Fachkräfte in Betracht zu ziehen?

HOMOET | Wir hatten die Stelle schon länger bei der Bundes­agentur für Arbeit und auf unserer Homepage angeboten. Der Fachkräftemangel ist da und man weitet den Blick. Wir wollten unser Team vergrößern und ich habe mich gefreut, dass wir so eine interessante Bewerbung bekommen haben.

ROX | Auch wir suchten schon längere Zeit jemanden als Mess­truppführer/-in und für den Innendienst. Die Bewerbung von Frau Kulenović war in einem guten Deutsch ge­schrie­ben und die Qualifikation passte.

FORUM | Wie ging es dann weiter im Bewerbungsprozess?

HOMOET | Das Erste, was ich gemacht habe, war, die Unterlagen an die Bezirksregierung weiterzuleiten. Denn Ziel ist für uns die Messgenehmigung, das eigenständige Arbeiten im Kataster.

Die Bezirksregierung hat dann festgestellt, dass der Ingenieurtitel erst einmal anerkannt werden muss, und hat das Anliegen an das Kultusministerium überwiesen.

Es war ein großes Hin und Her mit den Behörden. Ich komme da auf 19 Meilensteine, bis wir am Ziel waren. Es hat fast ein Jahr gedauert – die Bewerbung von Lazar Beronja kam am 11. April 2018. Am 27. November 2018 haben wir den Arbeitsvertrag unterschrieben und am 21. Januar 2019 hat Lazar Beronja hier angefangen. Da ist das System natürlich noch zu träge.

Hier geht es zum kompletten Interview (Seite 24).

 

 

 

Maria Schubert

Dr. Maria Schubert

Historikerin und Politikwissenschaftlerin
MariaSchubert(at)t-online.de