»Sprecht nicht mit Konkurrenten. Sprecht mit Kollegen!«

Oft und viel wird über Fachkräftemangel, Konjunkturhoch und die demografische Struktur der BDVI-Mitglieder geschrieben. Der anhaltende Appell des BDVI-Präsidenten zur Kommunikation und – im besten Falle – zur Kooperation ist bekannt. FORUM traf in Münster drei geodätische Generationen, Burkhard Quatmann, Philip Wehmeyer und Rudolf Wehmeyer, und fragte nach dem Entstehen und Werden von Büroverschmelzungen, Büroübergaben und Wachablösungen.

 

FORUM | Zum schwierigen Thema der Büroübernahme, der Büroübergabe, der Kooperation wurde viel geschrieben. Sie beide leben seit Kurzem ein scheinbar erfolgversprechendes Modell. Und das in heutiger Zeit, in welcher immer weniger Kollegen immer mehr zu tun haben. Wie ist die Idee einer ersten Zusammenarbeit zustande gekommen?

QUATMANN | Ich hatte einen starken Überhang an Aufträgen, konkret an Gebäudeeinmessungen, den ich abbauen wollte bzw. abbauen musste. Daher habe ich Rudolf gefragt, ob der mir nicht einen Teil dieser Aufträge, eventuell in Form einer Kooperation, abnehmen kann. Es ging dabei natürlich noch nicht um eine So -
zietät, sondern um eine Kooperation nach § 13 Abs. 1 Satz 2 ÖbVIG NRW. Das hat funktioniert und dabei sind wir uns auch ein bisschen nähergekommen, haben uns dadurch eigentlich erst richtig kennengelernt. Irgendwann kam dann die Frage auf, ob man das nicht vielleicht sogar intensivieren könnte. Und so kamen die ersten Gedankenspiele in Richtung einer Bürogemeinschaft.

R. WEHMEYER | Für mich ein ganz wichtiges Thema, da wir, im Rahmen der Verbändebeteiligung, das ÖbVI-Gesetz damals in Richtung Kooperationsmöglichkeiten mitgestaltet haben. Wir
haben uns auch ein liberaleres Berufsrecht gewünscht, um auch überregionale Sozietäten zu ermöglichen. Das ist nicht passiert. Aber wir haben die Möglichkeiten des ÖbVI-Gesetzes, also die
Kooperationsmöglichkeit, genau aus dem Grunde eingebracht, um den Büros mehr Möglichkeiten, mehr Optionen zu geben, sich ein bisschen besser am Markt zu präsentieren und mit größeren Einheiten zu agieren.
Wir haben diese Option genutzt, uns kennengelernt und dabei erkannt: »Na ja, so ein schlechter Kerl ist der andere ja gar nicht.« Dieser Prozess hat dann roundabout zwei Jahre gedauert. Wir mussten gegenseitig so viel Vertrauen aufbauen, den anderen auch mal ein bisschen intensiver in die Geschäftsbücher sehen zu lassen.

FORUM | Wie ist die Situation hinsichtlich der Referendarausbildung, also der Ausbildung potenzieller Büronachfolger, hier in Nordrhein-Westfalen?

R. WEHMEYER | Die ist zurzeit katastrophal. Wir haben viel zu wenig Berufsnachwuchs auf der einen Seite, auf der anderen Seite einen etwas überalterten Berufsstand mit vielen kleinen Büros. Kollegen, die mittel- bis langfristig ihre Büros aufgeben müssen, weil sie keinen Nachfolger finden. Wir für unser Büro haben das gelöst. Wir sind in der sehr glücklichen Lage, dass mein Sohn Philip, der zurzeit noch in Bonn im letzten Mastersemester studiert, zu uns stoßen wird. Und das war übrigens auch eine Voraussetzung unserer Kooperationsgespräche. Kleine Anekdo te am Rande: Ganz zu Anfang unserer Verhandlungen sagte Burkhard mal in aller Offenheit bei mir im Büro: »Du bist völlig uninteressant, du bist ein Auslaufmodell. Ich habe Interesse an deinem Sohn, sonst würde ich das nicht tun. Allein möchte ich so ein großes Büro nicht führen.« Und ich musste erkennen, nachdem ich den ersten Schock verdaut hatte, er hatte recht.

FORUM | Das ist in diesem Fall eine sehr attraktive Lösung. Aber es gibt ja Kollegen, die haben keine Kinder. Es gibt auch Kollegen, die haben Kinder, diese wollen aber nicht ÖbVI werden. Und dann gibt es Kollegen, die ein Kind haben, das ÖbVI werden möchte, aber kein Interesse an der Übernahme des elterlichen Büros hat. Könnte das, was Sie gerade praktizieren, auch für Leute gelten, die nicht in der komfortablen Situation sind, im eigenen Haus Nachfolger heranzuziehen?

QUATMANN | Auf jeden Fall. In unserer Bürogemeinschaft sind zwei mittelgroße Büros zusammengegangen. In dieser Größenordnung möchte ich ein Büro nicht ohne Weiteres alleine führen. Es gibt ja auch durchaus kleinere Büros, die nach Zusammenschluss zwei bis drei Messtrupps draußen hätten, und für die wäre das mit Sicherheit auch eine ganz charmante Lösung, so was anzugehen, eventuell sogar auch als Übergang zu einer Übernahme Ich kann mir das durchaus auch für andere Büros, für andere Konstellationen vorstellen.

R. WEHMEYER | Ja, absolut. Wir müssen in diese Richtung denken. Wenn man sich derzeit die jungen Kollegen ansieht, die ÖbVI werden, kann man den Eindruck haben, als sei ein ÖbVIBüro
ein Erbhof. Die Namen wiederholen sich, d. h., es gibt viele, viele ÖbVI, die in die Fußstapfen ihrer Eltern treten. Fremdzugänge von außen finden zwar statt, aber sicherlich nicht in
der von uns gewünschten Anzahl und Form. Der BDVI steht zurzeit auch mit den Ministerien in Nordrhein-Westfalen in der Diskussion, wie wir diesem Dilemma entkommen können, und
wir versuchen, aus der wenigen Zahl der Masterstudienabgänge Referendare zu rekrutieren, um diesen Bedarf zu decken. Und da darf kein Thema unausgesprochen bleiben. Wir könnten uns
z. B. vorstellen, dass die Referendarausbildung, um sie auch attraktiver zu machen, schon in den ÖbVI-Büros stattfindet und nicht nur beim Land. Wir haben für die nächsten zehn Jahre einen Mangel von 2.500 Ingenieuren. Und die Universität in Bonn, das ist die frischeste Zahl, stößt im Jahr zwischen 18 und 25 Master aus.

 

Das ganze Interview gibt es hier.

 

 

Andreas Bandow

Dipl.-Ing. Andreas Bandow

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