Weltweite Expeditionen zur Bestimmung der Erdfigur

Fokus: Erde – Kapitel 3

Abbildung 1 | Kreisteilungsuntersucher von Wanschaff zur Überprüfung der Teilstrich-Einteilung auf Ablesekreisen von Winkelmessinstrumenten, um 1885

Dr. Leicht hat im letzten Kapitel erläutert, dass viele Geodäten im Vorfeld von weltweiten Expeditionen zur Schweremessung vorab nach Potsdam kamen, um sich schulen zu lassen. Nun beschreibt der Autor einige dieser bedeutenden Reisen zur Verdichtung eines weltumspannenden Schwerenetzes. Trotz umfassender Expeditionen in die Antarktis, nach Deutsch-Ostafrika und nach Grönland blieb es aber bei Einzelmessungen. Erst der Einsatz der sowjeti­schen Satelliten Sputnik I und II im Jahr 1957 eröffnete neue Möglichkeiten, die schließlich in der bekannten »Potsdamer Kartoffel« mündeten.

Der zwischen 1898 und 1904 in Potsdam wissenschaftlich ermittelte Absolutwert der Schwerkraft von g = 9,81274 m/s2 bewirkte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Zunahme an weltweiten Schweremessungen, um genauere Erkenntnisse über die tatsächliche Größe und Figur der Erde zu gewinnen. Das Geodätische Institut auf dem Potsdamer Telegrafenberg war seit den 1890er-Jahren daher sehr an exakten Messergebnissen von möglichst vielen Stationen rund um den Globus interessiert. Sie führten bereits im Rahmen der Mitteleuropäischen Grad­messung (ab 1867 Europäische Gradmessung und ab 1886 Internationale Erdmessung) zahlreiche Messreisen auf dem Kontinent durch und unterstützten Expeditionen nach Übersee. Die Potsdamer Institute erstellten Forschungskampagnen, verliehen Präzisionsmessgeräte und schulten die Expeditionsteilnehmer in geodätischen und astronomischen, aber auch meteorologi­schen sowie magnetischen Messmethoden. |1|

Eine wichtige Rolle spielte u. a. die Eichung der verschiedenen Präzisionsinstrumente, die auf Expeditionen zum Einsatz kommen sollten. Sei es bei der Schwerkraftmessung mittels Pendel oder bei der Winkelmessung mittels Theodolit, das Wissen um die Messgenauigkeiten der vorhandenen Instrumente war für exakte Ergebnisse unverzichtbar. Das in Abbildung 1 gezeigte Instrument beispielsweise ist ein Kreisteilungsuntersucher von der Firma Wan­schaff, Berlin, aus den 1880er-Jahren. Er diente zur Überprü­fung der Teilstrich-Einteilung auf Ablesekreisen von Winkel­messinstrumenten wie Theodoliten, um die Genauigkeit der Winkelmessung im Felde exakt bestimmen zu können. Das Gerät ist ein Unikat und wurde 1900 auf der Weltausst

Abbildung 2 | Beobachtungsstation Ubachsberg (Niederlande) für die geografische Längenbestimmung Ubachsberg-Göttingen, 1893

ellung in Paris als ein hervorragendes Beispiel feinmechanischer Hand­­werkskunst »Made in Germany« präsentiert. Für manche Ex­pe­dition entwickelten die feinmechanischen Werkstätten in Zu­sammenarbeit mit den Potsdamer Wissenschaftlern gar neue Instrumente, z. B. für die erste deutsche Südpolarexpedition von 1901 bis 1903. |2|

Friedrich Robert Helmert (1843-1917), seit 1886 Direktor des Geodätischen Instituts Potsdam, war maßgeblich an der Erstellung des umfangreichen Forschungsprogramms für diese Ant­arktisfahrt beteiligt. Mit der Expeditionsleitung beauftragte die »Deutsche Kommission für Südpolarforschung« den Polarforscher Erich von Drygalski (1865-1949), der bereits von 1887 bis 1891 als Assistent am Geodätischen Institut gearbeitet und bei Helmert promoviert hatte. Drygalski gelang es, bei staat­lichen Stellen, Wissenschaftsvereinigungen und nationalen Ver­bänden über 1,5 Millionen Mark zu organisieren, wobei ein erheblicher Teil der Summe in den Neubau des Forschungsschif­fes »Gauss« floss. Das Geodätische Institut stattete die Expedition mit zahlreichen Instrumenten aus, u. a. mit einem eigens dafür entwickelten Vakuumtopfpendelapparat ...

 

 

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Johannes Leicht

Dipl.-Ing. (FH)
Johannes Leicht

Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur
info(at)vermessungkaden.de