Reisebüro mit angegliederter Vermessungsabteilung

Tipps und Tricks für globale Dienstleister

 Um es vorwegzunehmen: Dieser Reisebericht soll nicht abschrecken, sondern nur mit einem Augenzwinkern wahre Begebenheiten und einige Erfahrungswerte aufzeigen, die bei Einsätzen im Ausland erlebt werden können. Auch ist dieser Überblick nur ein Überblick und nicht als abschließende oder vollständige Anleitung zu verstehen. 

 

Zum Einstieg: Der Austausch mit anderen Fachdisziplinen oder Schweizer Gründlichkeit Zum Einstieg: Der Austausch mit anderen Fachdisziplinen oder Schweizer Gründlichkeit 

Wir hatten den Auftrag, mittels Fotogrammetrie einen Gastur­binentest in der Schweiz zu begleiten. Im Vorwege legte der ge­schätzte Physiker Dr. Y Wert darauf, möglichst alle Parameter zu simulieren und potenzielle Gefahrenquellen auszuschließen. So weit, so gut. Nach einigen Wochen des intensiven Austau­sches zu allen möglichen Kameraeigenschaften und Erfah­rungs­werten dachten wir, nun ist es geschafft. 
Aber man lernt nie aus: Es gab doch noch einen wichtigen Punkt zu klären: Auf welcher Frequenz löst der Blitzlichtring aus? Ja, gute Frage, mit der wir uns vorher tatsächlich noch nie be­schäf­tigt hatten. Die Klärung versprach hinreichend kompliziert zu werden, also versuchten wir zunächst die Notwendigkeit der Ant­wortfindung zu prüfen: Die Begründung: Es muss ausge­schlos­sen werden, dass der Blitz die Feuerlöschmelder auslöst! Aha – noch nie gehört, dass so etwas möglich ist! Also Blitzfrequenz beim Hersteller abklären … Unnötig zu sagen, dass unse­re Anfrage etwas Befremden auslöste …

Dann, nach Klärung der theoretischen Kameraeigenschaften, ging es in die Messkonzeption: Hier tauchte die Frage auf, wie sich die Messstrahlen bei Durchdringung heißer Luftmassen (Turbi­ne in Betrieb) verhalten bzw. Einfluss auf die Genauigkeit neh­men. Unsere Erfahrungswerte aus 1:1 vergleichbaren Messungen über einen Zeitraum von 15 Jahren wurden als nicht verläss­lich gewertet – ein praxisorientierter A-priori-Test müsse schon sein. Der nicht ganz ernst gemeinte Vorschlag, wir könnten im Messraum einen Versuch mit Bunsenbrenner starten, fand spontan Anklang. Nun, der Kunde ist König! Allerdings endete die Testbereitschaft unsererseits, als es darum ging, anschließend noch Fußbodenvibrationen zu simulieren. Den Elefanten hätten wir vielleicht bei Hagenbeck mieten können, die Deckenhöhe unse­res Kellergeschosses erschien uns jedoch als K.-o.-Kriterium und das Riverdance-Ensemble anzuheuern hätte das Budget ge­sprengt …

Aber ob man es glaubt oder nicht – schließlich waren wir tatsächlich startklar für unseren Einsatz in der Schweiz. So dach­ten wir jedenfalls …

Apropos Schweiz: Will man in dem schönen Urlaubsland be­ruflich tätig werden und Ärger vermeiden, sind folgende ­Punk­te zwingend zu beachten:

Carnet

Haben Sie immer ein Carnet Ihres Messsystems dabei. Die­­ses ist ein mehrseitiges Dokument, welches auszufüllen ist (zur Abwechslung gibt es farbige Seiten) und bei den Industrie- und Handelskammern kosten­pflichtig (200 bis 300 Euro) erhältlich ist. 

Vorteil: Es kann bei »Nichtbenutzung« zurückgegeben werden, sodass die Kosten erstattet werden. 
Das Ausfüllen erledigen Sie am besten das erste Mal im Beisein eines kompetenten IHK-Mitarbeiters und vergessen Sie nicht die Fotos von Ihrem System und Zubehör. Wichtig wäre auch, die internationale Zollnummer der Einzelteile zu kennen. Diese kann der Hersteller benennen oder man kann im Internet fündig werden – außer es handelt sich um »Eigen­kreationen«, die keine haben, dann kann man nur das Beste hoffen …

Lohndumping

Führen Sie den Nachweis, dass Ihr Mitarbeiter auch bei Ihnen nach Schweizer Mindeststundensätzen verdient – wenn nicht, drohen bis zu 5.000 Schweizer Franken Strafe oder bis zu drei Jahre …

Sonntagsarbeitsverbot

Auch Notfälle sind nach Schweizer Arbeitsrecht nicht unbedingt Notfälle. 
Frei nach den Mottos »In der Ruhe liegt die Kraft« und »Ordnung muss sein« sind Einsätze mindestens acht Tage vorher anzumelden, Sonntagsarbeit vom Schwei­zer Kunden VOR­HER zu beantragen und die Entscheidung ab­zuwarten … 
Bei unseren Tätigkeiten sehr praxisfremd, aber da ich auch weiterhin die Möglichkeit haben möchte, in der Schweiz Urlaub zu machen, nehme ich dies nach einmaliger Erfah­rung sehr ernst!

Ergänzend hierzu noch der Hinweis, dass auch in Deutschland Feiertags-/Sonntagsarbeit bei der Unfallkasse anzu­mel­den bzw. zu beantragen ist. Problem: Pro Firma sind maximal fünf Sonntage/Jahr genehmigungsfähig, natürlich nur bei entsprechender Begründung. 
Die Bearbeitung der Anträge dauert mindestens eine Woche und wenn man einen Antrag gestellt hat, der dann doch nicht zur Anwendung kam (Projektverschiebung), zählt dieser trotz­dem zu der Gesamtsum­me …

Übrigens ist es das Risiko des Antragstellers, sollten Mitarbei­ter der Unfallkasse Urlaub haben oder krank werden – dann kann die Bearbeitung deutlich länger dauern und es ist nicht zulässig, einfach Sonntagsarbeit durchzuführen, solange der Bescheid nicht da ist ...

 

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Beate Ehlers

Dipl.-Ing.
Christine Holst 

Öffentlich bestellte Vermessungsingenieurin
cholst(at)vermessung-holst.de
 
 
 
 
Beate Ehlers

 Dipl.-Ing.
Thore Oliver Overath 

Öffentlich bestellte Vermessungsingenieurin
overath(at)vermessung-overath.de