Liegenschaftskataster in dauernder Abmagerungskur

NRW

Klammheimlich ändern die leitenden Köpfe des NRW-Liegenschaftskatasters die Kommentierung der Kostenordnung (Verm­WertGebO) in einem entscheidenden Punkt betreffend die Ge­wässermessung. Die dort angesprochene »Gewässermessung« falle nach der neuen Legaldefinition einer Liegenschaftsvermessung (§ 14 Abs.1 VermKatG NRW) nicht mehr unter diesen Begriff. Die Gewässermessung (Flurstückslinie = bewegliche Grenze) die­ne weder der Feststellung oder Abmarkung noch der Koordinie­rung von Grundstücksgrenzen. Für die Abrechnung könne die VermWertGebO keine Grundlage sein.

Das bedeutet für den Öffentlich bestellten Vermessungsingenieur gleichzeitig, dass seine Beurkundungsfunktion in puncto Ge­wässermessung eingeschränkt wird.

Damit entfernt sich das amtliche Vermessungswesen immer mehr von seiner Aufgabe, Ordnung im Eigentum zu schaffen, und verliert sich in Nebenbegriffen wie »Feststellung«, »Abmarkung« und »Koordinierung«.

Dazu gibt es keine politischen Vorgaben, es sind vielmehr die sich aus der fehlerhaften Beschreibung der Aufgabe des Vermessungs­wesens ergebenden Abgrenzungs- und Rückbildungsprozesse.

Dabei wäre in Deutschland ein WEG-Kataster (international 3-D-Ka­taster) dringend erforderlich. Auch die kommunalen Aus­gleichs­­flächenkataster sind durchweg in einem schlimmen Zustand und rufen geradezu nach einem Rahmen im Liegenschafts­kataster.

Diese Aufgaben werden über kurz oder lang von anderen Spar­ten betreut werden, in denen weitsichtigere Leute an der Spitze stehen.

Otmar Schuster

Dr.-Ing.
Otmar Schuster

BDVI-Ehrenpräsident
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