Liebe Leserin, lieber Leser,

dieses kleine Vorwort wird zu einem Zeitpunkt geschrieben, da es fast als sicher gilt, dass es demnächst eine neue Bundesregierung gibt. Die einen machen eine Dauerraute, die anderen haben gerade gestern zugestimmt. Und das ungefähr sechs Monate nach der entsprechenden Wahl. Immerhin! Nehmen wir nun die Legislaturperiode von vier Jahren als 100 % an, dann heißt das, dass wir für ebendiese 100 % gewählt haben, dafür aber nur 82,5 % Regierungszeit bekommen. Da das ja trotzdem alles irgendwie zu 100 % bezahlt werden muss, entspricht die jetzige politische Situation einer nicht vorhergesehenen Preis­­steigerung von 12,5 % insgesamt bzw. 3,13 % jährlich.

Man möchte ausrufen: Was soll denn das? Damit belästigst du uns? Mit 3,13 %? Albern!!

Fürwahr, bei derartigen, tja, »Steigerungen« winken Menschen in Berlin bzw. Schönefeld oder Stuttgart müde ab. Es steigen die Bierpreise in Szenekneipen prozentual gesehen jährlich deutlich stärker als das bisschen Kanzlerinnenaufpreis. Und dabei geht es bundespolitisch nicht um ein Glas hippes Craft Beer, sondern um eine reale und reelle Bundesregierung. Das kann uns die gut 3 % schon wert sein. Und irgendwie müssen schließlich auch die Diätenerhöhungen umgesetzt werden. Zumal der seit September 2017 beschrittene Weg auch viel würdiger ist, als wenn die Regierung mit ver.di-Fahnen (Ausnahme Frau von der Leyen: IG Me­tall), Trillerpfeifen und in Warnwesten gehüllt vor dem Reichstag für ein paar Pimperlinge mehr pro Woche Rabatz machen würde.

Leider sind geodätische, beliehene Freiberufler nicht in solch komfortabler Position, sich die Gebührenerhöhung quasi selbst zu gewähren, indem sie einfach ein bisschen später ins Büro gehen.

Solange die Gebühren von Stellen festgesetzt werden, welche davon nicht leben bzw. damit nicht wirtschaften müssen, ist es schwierig, Bedarfe zu vermitteln. Schnell wird Gier als Ansinnen vermutet, jedoch: Durch Amt und Funktion einerseits ge­zwun­gen, diese oder jene technische Investition zu tätigen und Fortbildungen zu gewährleisten, durch das Selbstverständnis als Ingenieur andererseits angehalten, dem Fortschritt den Weg ins Büro zu weisen und außerdem in Wahrnehmung des gesell­schaft­lichen Auftrags als Unternehmer und aus purer Abwehr des Fachkräftemangels heraus nicht eben kostengünstig auszubilden, hat in Summe seinen Preis.

Natürlich ist der ÖbVI nicht zu 100 % hoheitlich tätig, die Gebühren können demnach auch nicht 100 % des Umsatzes aus­machen. Doch entspricht die vom Gesetzgeber festgelegte Gebühr nicht dem vom gleichen Gesetzgeber festgelegten recht­lichen, qualitativen und quantitativen Inhalt des dazugehörigen Gebührentatbestandes, dann ist es an der Zeit, nachzufragen.

Solange in manchen Bundesländern die letzte Gebührenanpassung mittlerweile fast 20 Jahre her ist und die Anforderungen und allgemeinen Gegebenheiten ihren Tribut fordern (ALKIS®, Gesetzesänderungen, Fortbildungspflicht, Inflation, Umstellung auf ETRS89, Lohnsteigerungen, Anstieg der Azubi-Vergütung etc.), solange muss lautstark gefordert werden, dass auch dem be­liehenen Freien Beruf eine dem Amt, der Funktion und vor allem eine der Leistung angemessene Vergütung in allen hoheitlichen Tätigkeitsfeldern zuerkannt wird! Die Position eines Bittstellers ist nicht hinnehmbar!

Die für Gebührenevaluationen notwendige Datengrundlage liefern die Landesgruppen des BDVI regelmäßig. Die Auswertungen sind – zumindest in manchen Bundesländern – nun, nennen wir es: abenteuerlich.

Leider muss ich jetzt Schluss machen und kann diese Problematik hier nicht weiter vertiefen, ich muss noch zur Fortbildung. Thema heute: »Kernobst-Comparing – Äpfel und Birnen im Vergleich«.

Ich suche noch nach Argumenten. Weil: Gut 3 % sollen ja immer drin sein. Sagt man.

 

Dipl.-Ing. Andreas Bandow 

 
bandow(at)bdvi-forum.de