Jahreshauptversammlung der Landesgruppe Sachsen des BDVI

 Die Jahreshauptversammlung der Landesgruppe Sachsen des BDVI am 4. November 2016 im Schlosshotel Dresden-Pillnitz war wieder beliebter Treffpunkt für die Mitglieder der Landesgruppe Sachsen des BDVI und deren Gäste. Dazu zählten Marko Schiemann, Mitglied des Sächsischen Landtags, Max Winter, Abteilungsleiter für Landesentwicklung, Vermessungswesen und Sport des Sächsischen Staatsministeriums des Innern (SMI), wei­tere Vertreter seines Hauses sowie des Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft, des Staatsbetriebs GeoSN, der Vermessungs- und Flurbereinigungsverwaltung der Landkreise und kreisfreien Städte, der Ingenieur­kammer Sachsen, Vertreter aus Forschung und Lehre sowie befreundeter Verbände.

 

Der Vorsitzende der Landesgruppe Sachsen des BDVI Peter Box­berger begrüßte die Mitglieder und Gäste und sah mit Freude ihren Besuch als Wert­schätzung für die den Freien Beruf ausübenden Unternehmer, die sowohl Teil des Mittelstands sind als auch im Freistaat Sachsen wesentliche Aufgaben im öffentlichen Vermessungswesen erfüllen. In der Begrüßung beton­te er, dass bei der rasant fortschreitenden Digitalisierung von gesell­schaft­lichen Prozessen auch die Geodäten neben Kartografen, Geoinforma­tikern und Geografen mit ihrem Wissen und Können gefragt seien.

Seit 2003 hätten die Fachleute in den Verwaltungen, im Freien Beruf und im BDVI in enger Zusammenarbeit mit dem SMI und den politischen Ent­schei­dern auf diese digitale Herausforderung reagiert. Sie würden in einem stetigen Transformationsprozess den notwendigen rechtlichen Handlungsrahmen und fachliche Lösungen schrittweise den Entwicklungen und gesell­schaft­lichen Forderungen anpassen, die manchmal gewaltige Herausfor­de­run­­gen darstellten und innovatives Vordenken erforderten. Der Freie Beruf im Vermes­sungswesen benötige in den nächsten zwölf Jahren eine ange­mes­sene Zahl junger Leute zur Sicherstellung seines Berufsnachwuchses auf Füh­rungs- und Arbeitsebene. Um in der sich rasch entwickelnden Geo­informa­ti­ons­technologie Schritt halten und bedarfsgerecht Service bie­ten zu können, brauche auch die Vermessungsverwaltung qualifizier­ten, innova­tions­fähi­gen Berufsnachwuchs in einem verstetigten Einstellungskorridor.

Mit Blick auf die Entwicklung in Deutschland und Europa versicherte Peter Boxberger, dass die freiberuflich tätigen Vermessungsingenieure für ein hochwertiges Leistungsversprechen stün­den, das selbstverständ­lich wertschätzend und innovationsfördernd honoriert werden solle. Er betonte, Freiberufler seien Teil des deutschen Erfolgsmodells und stün­den für beste Ausbildung, wahre Unabhängigkeit, Kleinteiligkeit, Viel­falt, Standortnähe, Standorttreue, lokale Wertschöpfung, faire und trans­parente Leistungshonorierung. Er hoffe, dass dies auch in Zukunft so bleiben möge.

Max Winter, Abteilungsleiter für Landesentwicklung, Vermessungswesen und Sport im SMI, informierte in seinem Grußwort über die strategischen Vorhaben im Vermessungs- und Geoinformationswesen. Eines der wesentlichen Ziele müsse es sein, zu einer Verbesserung der Ak­tua­lität der amtlichen Geobasisdaten zu kommen. Produkte und Dateninhalte müssen hohen Qualitätsanforde­rungen gerecht wer­den, insbe­sondere mit Blick auf Aktualität, Vollstän­digkeit und Flächendeckung. Die Vermessungs- und Geoinformations­verwaltungen der Länder würden in dem Projekt »Karte der Zu­kunft« Produkte und Prozesse grundsätzlich auf den Prüfstand stellen und Perspektiven für die künftige Be­reitstellung von amtlichen Geobasisda­ten auf­zeigen. Die Veredelung und Herstellung der Endprodukte sollten grund­­sätzlich durch Private erfolgen und der Schwerpunkt der Ver­mes­sungs­verwaltung auf den aktuel­len digitalen Geobasisdaten liegen, deren Be­reitstellung sich von der her­kömmlichen Datenabgabe hin zur Nut­zung von Geodateninfrastruk­turen entwickeln werde, so Max Winter.

Der Staatsbetrieb GeoSN stelle die meisten Geodatendienste unter der »Deutschland-Lizenz 2.0« kostenfrei und nach Open-Data-Kriterien be­reit. Zukünftig komme es darauf an, dass die Dienste über die Visuali­sierung hinaus auch für Analysen und Auswertungen nutzbar sein müs­sen. Die Entwicklung könnten und sollten die ÖbVI aktiv mitgestalten.

Auch die Nachwuchssicherung bleibe ein wichtiges Thema. Man habe sich entschieden, bei der Laufbahnausbildung in Vermessungswesen und Geoinformation von einem einjährigen auf einen zweijährigen Turnus zu wechseln und die Anzahl von Anwärtern und Referendaren maßvoll zu erhöhen. Nachdem 2016 vier Anwärter und vier Referendare einge­stellt wurden, sollen ab 2018 dann alle zwei Jahre vier Anwärter und Referen­dare ein­ge­stellt werden.

Dass technologischer Fortschritt und Stadtentwicklung untrenn­bar verbunden sind und welche Herausforderungen zu meistern sind, damit Smart-City-Projekte auch erfolgreich sind und keine neuen Herausforderungen schaffen, analysierte Tobias Männel vom Kompetenzzentrum LOGWERT Heilbronn des Fraunhofer-IAO in seinem Vortrag »Morgenstadt – die Zukunft der Entwicklung von Städten zu Smart Cities«. »Smart City« bedeute zuallererst nicht, eine Stadt mit möglichst teu­rer, intelligenter Infrastruktur »vollzustopfen«, im Vordergrund stehe die gleichberechtigte Vernetzung zwischen Bürgern und Akteuren aller relevanten Planungsbereiche sowie Unter­neh­men, um somit Synergien und Mehrwert aus der Digitalisierung für alle für eine nachhaltige Ent­wicklung der Städte zu schaffen. Eine Smart City sei keine Frage der Technologie, sondern der Innovationsfähigkeit einer Stadt. Die Techno­logie sei hierbei nur Hilfsmittel. Tobias Männel betonte, Geodaten seien von unfassbarer Wichtigkeit für die Entwicklung von Städten zu Smart Cities, am meisten für die Logistik der Zu­kunft. Als aus städtischer Sicht innovative und spannende Anwendungsfälle benannte Männel aus den Be­reichen Personen- und Gütermobilität das intelligente Parkraum-Manage­ment, Carsharing Karlsruhe, die Auswertung von Mobilfunkdaten für die Verkehrsplanung in Stuttgart, Innenstadtlogistikkonzepte für die Zustellung und das autonome Fahren.

Heiko Linke, Technikdelegierter der BMW Group, präsentierte in seinem multimedial spannenden Vortrag, wie sich die automobile Welt auf dem Weg zum autonomen Fahren verändert. BMW stelle sich den neuen Herausfor­de­rungen der zunehmenden Automatisierung und den neuen Playern wie den Konzernen Google und Apple, die auf den Markt drängen. Die bereits heute eingesetzten Fahrerassistenzsysteme Aktive Totwinkelüberwachung, Lenk- und Spurhalteassistent, Remote Parken z. B. für enge Parkbuchten würden durch ein zentrales sensorgestütztes Umfeldmodell ermöglicht. Die­se Systeme böten Sicherheit und Komfort, indem sie den Fahrer entlasten und einen Schritt in Richtung »unfallfreies Fahren« gehen. BMW wolle bis 2021 die Technik für ein Auto entwickeln, das auf der Autobahn bei 130 km/h autonom fährt. Hierfür würden neben breitbandigen Mobilfunksignalen extrem genaue Kartendienste benötigt, die als eine elementare Voraussetzung für das autonome Fahren gelten, bei dem kein Fahrer mehr hinterm Steuer sitzen muss. Herausforderungen seien hierbei Situationen wie der Spurwechsel bei Kolonnenfahrt auf der Autobahn und eine Panne als plötz­liches Hindernis hinter einer schlecht einsehbaren Kurve. Ein weiteres Zu­kunfts­projekt von BMW sei es, bis 2021 auch ein autonom fahrendes Elektroauto »iNext« auf den Markt zu bringen. Beeindruckend war auch sein abschließendes Video, das die Zukunftsvisionen des autonomen Fahrens zum Nutzer und vom Nutzer weg, die autonome Rückfahrt während der Nacht und das voll automatisierte Fahren bzw. Carsharing zeigte.

In der anschließenden Mitgliederversammlung informierten der Vorsit­zen­de, der Vizepräsident Wolfgang Heide und der Vorstand über die Tätigkei­ten im zurückliegenden Jahr sowie die anstehenden Aufgaben und Ent­wick­lun­gen. Schwerpunkte waren die Gewinnung von Berufsnachwuchs, Ka­tasterfragen, das Kostenrecht, die Anpassung der Sächsischen Ausbildungs- und Prüfungsordnung für das Vermessungswesen und Geoinformation so­wie die Verwendung des Siegels im ÖbVI-Büro. Ein gemeinsames Abend­essen mit kultureller Unterhaltung rundete den erfolgreichen Tag ab, der im Ambiente des reizvollen Schlosshotels wieder Gelegenheit bot, sich fachlich auszutauschen, Kontakte zu knüpfen und zu pflegen.

 

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Anne Lahner

Autorin

Dipl.-Ing. Katrin Mißbach
Geschäftsstelle der BDVI-Landes-
gruppe Sachsen und Thüringen
bdvi(at)vermessung-kamenz.de