Interview Vorstand Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern

MV tut gut

FORUM | Wenn wir als FORUM-Redaktion über einen Beitrag beraten, dann gibt es das Prüfinstrument der Frage: Was nützt dieser Artikel dem ÖbVI im Saarland? Jetzt sprechen wir über Mecklenburg-Vorpommern, daher: Was muss der Kollege im Saarland unbedingt aus Mecklenburg-Vorpommern wissen?

Holger Bannuscher | HB
Heiko Hoffmann | HH
Frank Reichert | FR
Dirk Schönemann | DS
Stefan Seehase | SS
Frank Wagner | FW
Mirjam Sperlich | MS
Andreas Bandow | FORUM

FW | Na, in erster Linie, dass wir eine wunderschöne Landschaft hier haben, wunderschöne Strände …

HB | Dass wir wahrscheinlich genauso viele Einwohne haben wie das Saarland …

DS | Dass wir Landkreise haben, die größer sind als das Saarland – und wir haben bedeutend mehr Punktattribute als das Saarland! (Gelächter)
FW | Das ist ja kein Prädikat an sich. Hier ist das Kataster kommuna­li­siert.

FR | Als Landesspezifikum wäre zu erwähnen, dass in Meck­­lenburg-Vor­pommern überregionale Kooperationen zwischen ÖbVI bzw. Sozietäten möglich sind, sodass also auch Büros an verschiedenen Stand­o­rten miteinander verbunden sind, was in den übrigen Bundesländern nicht gang und gäbe bzw. gar nicht zugelassen ist.

FORUM | Dieses Gespräch findet am Rande einer öffentlichen ­BDVI-Vorstandssitzung statt. Da nicht alle da sind: Wie viele Mitglieder hat der Vorstand der Landesgruppe und wie ist die
Arbeit aufgeteilt?

FW | Im Vorstand arbeiten sieben Kollegen mit und wir sind aufgeteilt in Arbeitsgruppen, die verschiedene Fachthemen bearbeiten. Wir sind auch heute hier nicht vollständig. Es fehlen in der Runde Andreas
Golnik und Petra Zeise, die sich entschuldigen lassen. Andreas Golnik z. B. be­arbeitet zusammen mit Mirjam Sperlich und Holger Bannu­scher schwerpunktmäßig die Vermessungskostenverordnung. Die Arbeits­­grup­pen erfah­ren hierbei Unterstützung von Frank Reichert, der seit einigen Jahren die Geschäftsstelle der BDVI-Landesgruppe leitet. Und ja, das ist eine sehr gute, sehr wichtige Arbeit, die geleistet wird und die uns auch an vielen Stellen vorangebracht hat – bei der Arbeit hier im Land. Es erleichtert die Vorstandsarbeit unwahrscheinlich, dass man sich nicht mehr fragen muss, wer jetzt den Brief an den Minister vorbe­reitet, wer das Protokoll schreibt und wann wir es dann auch be­kommen.

FORUM | Herr Reichert, Sie arbeiten außerdem für die BDVI-Landesgruppen der Bundesländer Brandenburg und Sachsen-Anhalt als Geschäftsstellenleiter. Inwiefern unterscheidet sich die Tätigkeit für Mecklenburg-Vorpommern von der Tätigkeit in anderen Bundesländern?

FR | Am deutlichsten vielleicht im Umfang. In Brandenburg ist diese Art der Tätigkeit entstanden, hier sind es mehr einzelne Projekte, die dann ­intensiv bearbeitet werden müssen. Zum Beispiel haben wir derzeit ei­nen Musterlageplan zur Bauvorlagenverordnung in Arbeit. Der wird in einer Arbeitsgruppe entwickelt und meine Aufgabe ist es, den Kommen­tar dazu zu verfassen.

FORUM | Welchen Organisationsgrad hat der BDVI hier im Land?

FW | Es sind rund 80 %, die uns in den Höhen und Tiefen der Verbands­arbeit motivieren.

FORUM | Gibt es Probleme, Kollegen für die Tätigkeit im Verband zu gewinnen, oder rennt man Ihnen die Türen ein?

DS | Man rennt uns die Türen ein. Aber von innen!

FW | Hier am Tisch sitzt der Kollege Stefan Seehase. Er ist noch nicht in den Vorstand gewählt – ist quasi kooptiert. Er wird sich mit der Vor­stands­arbeit hoffentlich in der Zukunft intensiver beschäftigen. Und er schnuppert jetzt hier schon das zweite, dritte Mal und hat auch ein­zelne Projekte mit begleitet, z. B. an der Hochschule Neubrandenburg den jährlichen »Tag der Technik«, den wir im Verbund mit dem Ingenieurrat unterstützen. Es gibt also durchaus Interessenten, aber es ist sehr schwierig, die Kollegenschaft zu motivieren und zu erreichen. Mit der normalen Aufforderung »Meldet euch!« auf den Mitgliederversamm­lungen oder im E-Mail-Verteiler ist es uns bisher kaum ­gelungen, durch­zudringen. Die jungen Kollegen setzen einfach die Prioritäten noch etwas anders. Sie sehen da wahrscheinlich die Verbandsarbeit bei uns noch in guten Händen. Das ist auf der einen Seite ein Lob, auf der anderen Seite darf das aber nicht dazu verleiten, zu sagen: »Jo, ich muss ja nichts tun …« Weil irgendwann – und das steht ja an – wollen Kolle­gen nach vielen, vielen Jahren die Vorstandsarbeit auch in jüngere Hän­de geben. Insofern brauchen wir dringend Unterstützung!

HB | Nun haben wir ja einen guten Schachzug gemacht. Wir haben damals einen sehr jungen ÖbVI zum Vorsitzenden gemacht in unserer Landesgruppe …

FW | Damals!

HB | Vor 14 Jahren!

DS | Viele machen den Job wirklich seit fast 25 Jahren … Ich bin ein bisschen später dazugekommen, nicht ganz von Anfang an aber es ist schon eine ziemlich lange Zeit und irgendwann sagt man auch: Staffelstab übergeben. Aber wenn man die Kollegen fragt: »Warum wart ihr nicht da oder habt ihr euch nicht gemeldet? Ihr habt doch die gleichen Interessen, wie wir sie haben«, dann kommt oft die Antwort: »Wir vertrauen euch. Das macht ihr schon richtig …« Das ist, wie Frank Wagner schon sagte, einerseits ein Lob, andererseits wird es dadurch bei der im nächsten Jahr anstehenden Vorstandswahl schwierig!

FW | Wir versuchen es. In diesem Jahr sind z. B. die Vorstands­sitzungen öffentlich. Die Termine haben wir bekannt gegeben. Das haben wir in der Vergangenheit schon einmal gemacht, in diesem Jahr haben wir es intensiviert. Bisher hat immerhin Stefan Seehase den Weg zu uns gefunden!

FORUM | Welche Veranstaltungen mit Öffentlichkeitswirkung gibt es regelmäßig seitens des BDVI in Mecklenburg-Vorpommern?

FW | Das ist als Schwerpunkt der Neujahrsempfang, seit 20 Jahren unser berufspolitischer Höhepunkt. Dann gibt es die Mitglieder­ver­samm­­lung im Mai und außerdem noch die jährliche Dienstberatung der Aufsicht mit den Vermessungsstellen, bei der wir involviert sind.

MS | Ja, und alle zwei Jah­re ist der BDVI als Mit-aus­steller auf den vom DVW veranstalteten norddeut­schen Fachtagen.

FORUM | Wie funktioniert in Mecklenburg-Vorpommern die Zusammen­arbeit von BDVI und DVW?

DS | Unsere Regionalgruppe Vorpommern-Rügen des DVW ist sehr rüh­rig, trifft sich regelmäßig. Da sitzen dann auch immer viele ÖbVI mit in der Run­de, die man dann bei der Mitgliederversammlung eher selte­ner sieht. Was man noch erwähnen sollte: Der DVW-Landesgruppenvorsitzende Jürgen Gudat ist selbst ÖbVI!

FR | Vielleicht noch als Ergänzung, wie die Mitglieder erreicht werden: Beim Neujahrsempfang findet im Vorfeld immer eine Informations­ver­anstaltung statt, sodass dort nicht nur die externen Kreise angesprochen werden, sondern auch der Dialog nach innen gesucht wird.

FORUM | Wie ist es denn hierzulande um den ÖbVI-Nachwuchs bestellt?

DS | Tja, der Wechsel steht in vielen Büros an. Viele werden es noch nicht erkannt haben, dass man nicht von einem Tag auf den anderen einen Nachfolger generieren kann. Aber wenn man zum ersten Mal mit Dingen wie z. B. Krankheit in Berührung kommt und erkennt, dass auch das Be­rufsleben end­lich ist, dann fängt man an, auch selbst nach­zudenken. Und dann merkt man, dass es nur we­ni­ge potenzielle Kandidaten gibt … von außen sowieso. Wir haben eine Anzeige geschaltet – keiner hat sich beworben. Was macht man da? Eine Variante wäre, bei den eigenen Angestellten zu gucken: Wer wäre dazu in der Lage? Wir haben es versucht, einer hat sich daraufhin tatsäch­lich entschieden, den langen Weg zu gehen. Derjenige macht ­jetzt tatsäch­lich die Laufbahn­aus­bil­dung zum ­ge­hobe­nen Dienst. Man muss im Anschluss daran sechs Jah­re beim ÖbVI Zeit ­ver­brin­gen, um dann bestellt werden zu können. Das ist aber vom Zeitstrahl noch eine gu­­te Sache, um z. B. ­mei­nen Partner oder auch mich dann irgendwann mal als ÖbVI zu ersetzen. Grund­sätzlich kann ich aber sa­gen, dass das Ge­nerieren von Nachfolgern für die Bü­ros ein Riesenproblem wird.

FORUM | Wir wechseln mal ins Fachliche: Wie geht es den Büros nach dem ALKIS®?

FW | Ja, ich will mal sagen – das ALKIS® ist angekommen in den Köpfen und auch in den Portemonnaies. Insofern ist jetzt klar, was es heißt, das ALKIS® zu liefern. Die schlimmsten Prognosen sind nicht eingetreten – es hat sich vieles normalisiert, aber man merkt, dass die Effektivität sich deutlich verschlechtert hat. Auch in den Katasterbehörden sieht man, was da an Arbeit auf uns zugekommen ist und auch geleistet wird. Es gab aller­dings im Vorfeld auch einige Kollegen, die gesagt haben: Das tun wir uns nicht mehr an – die bewusst ihre Bestellung aufgegeben haben. Das hat also auch mit dem ALKIS® zu tun gehabt. Das ALKIS® ist ein Schreckgespenst gewesen und man musste eine Menge tun – und es ist auch vieles noch nicht abge­schlossen. Aber das Gros ist bewältigt und jetzt müssen wir dafür sorgen, dass man auch wirtschaftlich mit diesem System arbei­ten kann.

HB | Und es kamen neben dem ALKIS® auch zahlreiche wei­tere Änderungen auf uns zu. Da ist zum einen die Liegenschaftsvermessungsvorschrift (LiVermVV). Es ist ja nicht nur die ALKIS®-Vorschrift neu aufgelau­fen, sondern eben auch kurz vorher die LiVermVV mit teilweise komplett neuen Formularen, die erstellt werden muss­ten, oder mit geänderten technischen Vorgaben. Wir haben es mit gestiegenen Anforderungen und höheren Qualitätsstandards zu tun. Alles Dinge, die uns mehr Arbeit machen.

MS | Das war für viele schon schwierig und ich denke, man braucht schon eine gewisse Zeit, um das in den Büros alles um­zustellen. Und in diesen Prozessen gab es zwischen­durch auch viele Übergangslösungen – so will ich sie mal nennen … Die Vorschriften wurden immer nur stückchenwei­se ver­abschiedet – d. h., man hatte auch alle zwei Monate einen neuen Stand.

FW | Der Bezugssystem­wechsel ist in dem Zuge auch praktisch vollzogen wor­den. Das war und ist immer noch ein Kraftakt – das kann man schon so sagen.

FR | Und der nächste Wechsel in der Höhe wartet schon. Stichwort DHHN 2016 ...

 

Lesen Sie das ganze Interview hier.

 

Holger Bannuscher
Geboren 4. Januar 1958 in Schwerin, Mecklenburg-Vorpommern
Verheiratet, 2 erwachsene Kinder

  • 1980 Abschluss des Studiums des Vermessungswesens als Dipl.-Ing. (FH) in Dresden
  • Ab 1990 selbstständiges Vermessungsbüro in Sozietät mit Torsten Meißner
  • Seit 1994 ÖbVI in Wittförden bei Schwerin

Heiko Hoffmann
Geboren 17. Oktober 1955
Verheiratet, 2 erwachsene Kinder

  • 1978 Studienabschluss als Dipl.-Ing. für Vermessungswesen an der TU Dresden
  • 1979 bis 1990 Abteilungsleiter und Obertriangulator beim Militär­topographischen Dienst der NVA
  • Seit 1990 selbstständiger Vermessungs­ingenieur
  • Seit 1994 ÖbVI in Neubrandenburg

Frank Reichert
Geboren 30. Juni 1974 in Leipzig
Verheiratet, 2 Kinder

  • 1993 bis 1999 Geodäsiestudium TU Dresden
  • 1999 bis 2001 Referendariat in Sachsen
  • 2002 Referent im Staatlichen Vermessungsamt Zschopau
  • 2004 Wechsel zu ÖbVI Angelika Richter in Siebenlehn
  • 2005 BDVI-Geschäftsstellenleiter Brandenburg, seit 2012 auch
    Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt

Dirk Schönemann
Geboren 2. März 1961 in Stralsund, Mecklenburg-Vorpommern
Verheiratet, 2 Kinder

  • 1986 Abschluss Vermessungstechniker im VEB Kombinat Geodäsie/Karthographie
  • 1991 Abschluss Fernstudium Ingenieur­schule für Geodäsie und Karthographie Dresden
  • Seit 1991 freiberuflicher Vermessungs­ingenieur
  • 1994 Zulassung zum Öffentlich bestellten Vermessungsingenieur in Stralsund
  • Seit 1993 Mitglied im BDVI
  • Seit 1995 Mitglied des Vorstandes der Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern

Stefan Seehase
Geboren 25. Mai 1972 in Hagenow, Mecklenburg-Vorpommern

  • 1998 Abschluss Studium Vermessungswesen an der TU Berlin
  • 1998 bis 2000 Vermessungsreferendar beim Ministerium des Innern des Landes Brandenburg   
  • 2001 bis 2003 praktische Tätigkeit im Vermessungsbüro Seehase, Neubrandenburg
  • 2003 Bestellung zum ÖbVI

Frank Wagner
Geboren 9. April 1966 in Schwerin, Mecklenburg-Vorpommern
Verheiratet, 2 Kinder

  • 1990 Abschluss Geodäsiestudium Hochschule Dresden (IGK)
  • 1990 bis 1992 praktische Tätigkeit im Katasteramt Friedrichshain und bei ÖbVI Peter Schmidt in Berlin
  • 1992 bis 1994 Bürogründung mit Gunnar Weinke, Urkundsvermessungs-berechtigter
  • 1994 Bestellung zum ÖbVI in Schwerin
  • Seit 2002 Vorsitzender der Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern

Mirjam Sperlich
Geboren 21. Juni 1973 in Lehrte, Niedersachsen
Ledig, 2 Kinder

  • 1999 Abschluss Studium Geodäsie an der Technischen Universität Hannover
  • 1999 bis 2001 Laufbahn für den höheren vermessungstechnischen Verwaltungsdienst des Landes Niedersachsen an der Bezirksregierung Weser-Ems in Oldenburg
  • 2001 bis 2002 praktische Tätigkeit beim Vermessungsbüro Fiebig & Partner, Rostock
  • Seit 7/2002 Zulassung zur ÖbVI – Übernahme der Geschäftsanteile ÖbVI Fiebig, Umfirmierung in VB  Sperlich und Fröhlich GbR
  • Seit 2005 Mitglied des Vorstandes der Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern
  • Seit 2014 stellvertretende Vorsitzende (Finanzen) der Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern

Das Interview führte

Dipl.-Ing. Andreas Bandow
bandow(at)bdvi-forum.de