Einlassung zu einer vibrierenden Berufsproblematik

ÖbVI – Schwejk

In einer bedeutenden Rede anlässlich der Berufsabschiedsfeier von Xaver Zeitlos (Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur – ÖbVI)

Lieber Xaver, liebe Feiergesellschaft, gemeinhin ist das gegenwärtige Ereignis Anlass, zurückzublicken und dabei gebührend lobende Worte für den Berufsabsolventen zu finden. Aber diese Runde der Anspruchsvollen verdient mehr!

 

Tenor dieser epochalen Rede soll darum die Berufsbezeichnung ÖbVI sein, die von dem zu feiernden Berufssenior jahrelang hoch gehalten wurde, nun allerdings in der »postfaktischen« Ära nicht nur ins Abseits, sondern sogar in Vergessenheit zu stürzen droht.

Mehr noch, es scheint, dass die jungen Kollegen von grassierender Unwissenheit heimgesucht werden. Was hat es denn auf sich mit dem »ö. b.«, das bei wenigen Auserwählten dem Prädikat »Vermessungsingenieur« vorgeschaltet ist? Von zehn Kandidaten werden – gut geschätzt – vielleicht drei, eher fünf, möglicherweise auch sieben überwiegend fachhochschulgereifte Vermesser die Bedeutung nicht nur nicht benennen, sondern erst recht nicht inhaltlich füllen können.

Heute ist jedoch kein Tag, verdrießlich zu sein. Vielmehr gilt es, nach vorn zu blicken und den alten Bedeutungsschlauch neu zu füllen.

Die Diskussion über Groß- oder Kleinschreibung mal außer Acht gelassen, bieten wir an: »ö. b.« = »örtlich begrenzt«. Wie einfach, wie leicht vermittelbar, wie nahe an der Praxis. Die auch amtlich gewünschte Beschränktheit lugt aus beiden Begriffen hervor. Gemeint ist offensichtlich der Berufstätige, dessen Berufsradius überschaubar ist, dessen Reichweite deutlich beschrieben werden kann und der leicht kontrollierbar ist. Und wie schön sich die Assoziation der Begrenztheit auf die Köpfe der Vermessungstätigen übertragen lässt. Kurzum eine Bezeichnung, die zeitgemäß erscheint.

Nun, wer Sarkasmus nicht mag, dem mag ein »ö. b.« = »österlich beeinflusst« geeigneter erscheinen, um das berufliche Tun der Vermesser in einen zeitnahen, aktuellen Zusammenhang zu stellen. Ostern, die Zeit des Erwachens, des Frühlings, der Erneuerung. Kollegen, lasst euch zurufen: Die Erneuerung eures Berufes ist möglich. Es ist eure Sache, den Beruf grünen zu lassen, um später die Sonne des finanziellen Erfolgs in vollem Umfang genießen zu können.

Später! Denn nach dem Frühling kommen der berufliche Sommer und Herbst und der volle Genuss des Berufserfolgs, der von wem auch immer bewirkt wurde. Lasst uns außer Landes gehen, lasst uns verreisen! »ö. b.« = das Prädikat »österreichisch bevorzugt« soll uns leiten, die Täler und Berge des Nachbarlandes zu öffnen bzw. besteigbar zu machen. Und dann, wenn wir die Gipfel erklommen und den Rundblick gewonnen haben, dann … na, dann wird man schon weitersehen … irgendwie, wie immer … welch eine Perspektive für den Berufsstand.

Lieber Xaver, du kannst heute entspannt zuhören und vielleicht mit den Achseln zucken oder lächeln ob einer erfolgreich bewältigten Berufslaufbahn.

Jetzt sollen es die anderen richten.

Walter Schwejk

 

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