Ein ganz normaler Tag im Geodatenservice

Stefanie Locke

Katasterbehörde im Landkreis Oberhavel
stefanie.locke(at)oberhavel.de 
 

Frank Netzband

Katasterbehörde im Landkreis Oberhavel
frank.netzband(at)oberhavel.de
 

Wir schreiben Freitag, den 20. Januar des Jahres 2017, und ich bin selbst an allem schuld.
Warum habe ich die Frage meines Chefs, was mir die letzte Ausgabe der
»Ver
messung ­Brandenburg« denn als Sachbearbeiterin an der Basis im Front-Office
für meine tägliche Arbeit gebracht habe, auch ehrlich beantwortet.

Die Zeitschrift »Vermessung Brandenburg« an sich ist ja großartig. Informativ, lesenswert und viel interessanter geschrieben als die kaum noch zu überblickende Fülle an Arbeitspapie­ren, Ar­beitsgruppenprotokollen, Runderlassen und sonstigen Verlautbarungen, die im Laufe der Jah­re über meinen Schreibtisch wanderten. Nur, es fehlt etwas. Eine Rubrik, in der sich die Kollegen an der Basis wiederfinden, in der Arbeitsabläufe ge­schil­dert und vielleicht hinterfragt werden. Eine Domäne, in wel­cher man liest, wie die Sach­bearbeiter in anderen Katasterbehörden und im Freien Beruf mit den Herausforderungen des All­tags um­gehen. Das habe ich laut ausgespro­chen. Die Folgen waren absehbar. Und so sitze ich nun hier im Kundenbüro der Katasterbehör­de im Land­kreis Oberhavel und schreibe auf, was den Tag über passiert. Was mich tröstet, ist, dass ich dem Chef das Versprechen abgerungen habe, da­für zu sorgen, dass dieser Erfah­rungsbericht aus dem Alltag nicht der einzige bleibt. Und es ist mir völlig egal, wie er dieses Versprechen einlöst.

Den Arbeitstag beginne ich mit den unerledigt gebliebenen schriftlichen Anträgen des Vor­ta­ges, einem Griff ins Ausgabe­fach des Telefax­gerätes und einem Blick ins Geoda­ten-E-Mail-Postfach. Wir ha­ben uns im Rahmen der ­hiesigen haus­halts­rechtlichen Produkt­planung das Ziel ge­stellt, alle einfachen Aus­künfte innerhalb von zwei Arbeits­tagen zu ertei­len, und der erste Schritt zum Erreichen dieses manchmal nicht ganz an­spruchs­­losen Ziels ist die ordentliche Regis­trierung des An­tra­ges.

Die knapp 4.000 hier in der Kennzahlenanalyse des Produktes Liegenschaftskataster des Jahres 2016 pauschal und ein wenig irreführend als einfach b

ezeichneten Auskünfte (Abbildung 2) sind einer meiner Jobs. »Einfach« bedeutet bei uns lediglich, dass sie keinen mehrstufigen Prüf- und Verifizierungsprozess mit Be­teiligung mehrerer Sachbearbeiter durchla

ufen müssen, wie es beispielsweise bei der Übernahme einer beigebrachten Vermes­sungsschrift erforderlich ist, und daher relativ zeitnah erledigt werden können. In der Hauptsache sind es Auszüge aus der Lie­gen­schaftskarte auf fälschungsgeschützten Vordrucken und, nicht ganz so häufig, Flurstücks- und Eigentumsnachweise. Al­les, was kein standardisierter Auszug ist, fällt nicht mehr unter den Begriff »einfache Auskünfte«. Wenn wir die beantragten Auszüge auf dem vom Landesbetrieb LGB gegen einen kleinen Unkosten­beitrag bereitgestellten Urkundenpapier ausfertigen, gelten sie automatisch als beglaubigt.

Seit wir im Zuge der ALKIS®-Einführung begonnen haben, farbig zu drucken, sind es fast schon richtige Kunstwerke. Unsere Kollegen von der unteren Bauaufsichtsbehörde würden aller­dings gern wieder die schwarz-weiße Variante aus alten Zeiten zurück­haben, da viele Bauwillige den Unterschied zwischen der tatsäch­lich von einem Landvermes­ser in der Natur vorgefunde­nen und anschließend vom Innendienst kartentechnisch groß­zügig ge­neralisierten Nutzung ei­nerseits und der in der Hand der je­weiligen Gemeinde liegende

n rechtlich zulässigen Nut­zung andererseits nicht kennen.

Die rötliche Färbung der Wohn­bauflächen auf unseren Auszügen aus der Liegenschaftskarte gilt vielen Unkundigen quasi als Ga­rant für die Baugenehmigung. Und dann fällt es dem Be­ar­bei­ter dieser Baugenehmigung oftmals schwer zu erklären, dass Au­ßen­bereich, Brandschutz, Umwelt und manchmal so­gar vom Aussterben bedrohte nistende Vögel dem Vorhaben entgegenstehen. Im Zuge des Personalabbaus der letzten Jahre konnten wir glücklicherweise ein paar Kollegen aus Vermessung und Ka­taster in der Baugenehmigungsbehörde unterbrin­gen. Seither sind Vorhaben ohne zuvor festgestellte Grenzen oder gar ohne Amtlichen Lageplan selten geworden.

Im Gegenzug bringt mein Chef von der allmorgendlichen Füh­rungsrunde in unserem ziem­lich groß gewordenen Fachbe­reich Bauordnung und Ka­taster auch mal Änderungswünsche der rechtlichen Bau­aufsicht für die tatsächliche Nutzung und Prioritäten für die Bildung von Baugrundstücken mit. Von der engen Zusammen­arbeit profitieren wir alle.

Lesen Sie den gesamten Artikel hier.