Als würde man einen Panzer durch den Schlamm ziehen

 Sollten Sie, liebe Leserin, lieber Leser, als Herausgeber, Chefredakteur, Schriftleiter oder sonst etwas in derartiger Position der Erstellung einer Fachpostille vorstehen, dann können Sie jetzt aufhören, wei­ter­zulesen. Denn das, was kommt, das kennen Sie selbst. Allen anderen sei gesagt, es folgt eine Nabelschau der Extraklasse, aber da müssen Sie jetzt durch.  

Das Ihnen offensichtlich vorliegende FORUM 4/2016 wirkt in seinem hübschen, 64-seitigen Farb-Hochglanzdruck gänzlich glatt und rein, so, als könne es kein Wässerchen trüben. Und dennoch – dieses Heft hat es faustdick hinter den Ohren!

Angefangen hat es ganz harmlos; zu harmlos – aus heutiger Sicht betrachtet. Denn schon Mitte Juli war das Heft voll. Eigentlich. Es gab drei avisierte Interviews, einen langen Fachbeitrag, einen Beitrag zu einer Gesetzesänderung, eine geplante Retrospekti­ve auf die INTERGEO® und einen Text im Zusammenhang mit dem BDVI-Kongress. Das alles, in Verbindung mit den Residents wie z. B. Dr. Holthausen, füllt eigentlich anderthalb Hefte. In der Hinterhand gab es sogar noch einen mehrseiti­gen Beitrag als Reserve, der bei Gefahr sofort gezückt werden sollte. Aber wo sollte schon Gefahr drohen?  
 
Von gänzlich unerwarteter Seite! Einer der großen Fachbeiträge wurde zurückgezogen, da der Autor aus für die Schriftleitung absolut verständlichen Gründen seine Aktivitäten einstellte. An dieser Stelle danke ich diesem Autor sehr herzlich und persönlich für sein jahrelanges Wirken und die Verbundenheit mit unserer Zeitschrift. Aber: acht Seiten weniger. Macht nüscht, wir hatten ja sowieso zu viel. Als Nächstes fiel der Text über die Gesetzesänderung aus – das entsprechende Landes­parlament hielt sich frecherweise nicht an den Redaktionsschluss. Macht ooch nüscht, weil … Sie wissen ja. Im Anschluss dämmerte uns langsam die Erkenntnis, dass eines der geplanten Interviews scheinbar nicht veröffentlicht werden würde, da das befragte Unternehmen es in acht Wochen nicht schaffte, das Interview freizugeben. Erstes Stirnrunzeln und der verstohlene Blick auf den Reservebeitrag. Da die Entscheidung gegen einen Abdruck von sieben weißen Seiten und den Hinweis »Das hat uns der interviewte Konzern zu sagen« fiel, musste langsam tatsächlich der Ersatzbeitrag herangezogen werden. Der wiederum wurde aus Gründen, welche diplomatischen Ursprungs waren, von anderer als der Autorenseite zurückgepfiffen. Problem! Das nun real exis­tierende Loch konnte glücklicherweise mehr als adäquat gefüllt werden, wobei auch hier der Dank an alle Beteiligten groß ist und hier explizit ausgesprochen wird. Noch immer im Ungewissen darüber, ob genug Material für das Heft vorhanden ist oder doch die Rubrik »Kochrezepte für Geodäten« und das Kreuzworträtsel ins Programm aufgenommen werden müssen, begann die Routine: die gestalterische Arbeit durch die Agentur Nolte, das Einholen der Fotos bei Robert Lehmann, die Lieferung von Anzeigen, Ver­anstaltungshinweisen und Mosaik durch die BDVI-Geschäftsstelle und, eigentlich nebenbei zu erledigen, die Einholung der Frei­gaben durch die Autoren. Unnötig zu sagen, dass bei Heft 4/2016 nicht das Bild von der Butter und dem warmen Messer heran­gezogen werden kann, sondern der diesen Text überschreibende Satz. Es ist Premiere, aber dennoch kein Grund zum Feiern, dass zu einem einzigen Beitrag 67 zu bearbeitende und zu beantwortende Mails bei der Schriftleitung eingegangen sind. Zum Vergleich: Zu Heft 3/2016 kamen im Produktionsprozess insgesamt nur 88 Mails.

Mit dem Verfassen und Versenden des Editorials ist die redaktionelle Arbeit der Schriftleitung (bis auf die finale und formale Druckfreigabe) getan. Das Editorial einer Fachzeitschrift, so sagt man, soll Verbandspolitik machen, Meinungen und Ausblicke aufzeigen, hier und da auch anpiken. Eigentlich. Manchmal möchte man aber nur um Verständnis und Vertrauen werben. Das sollte erlaubt sein. Eigentlich.

Haben Sie ein gutes Jahr 2017!          

Andreas BandowAutor

Dipl.-Ing. Andreas Bandow
 
bandow(at)bdvi-forum.de