Editorial

Neues Spiel, neues Glück! Bzw. neues Jahr. Gut, im April ist es maximal noch das neue FORUM-Jahr, aber immerhin. Starten wir in die nächsten vier Ausgaben und stellen wir uns den neuen Herausforderungen.

Wobei eines ja auch klar ist: die letzte Herausforderung, der man sich als bräsiger, mitteleuropäischer Spießbürger heutzutage noch stellen kann, ist … richtig! Die Ausrichtung eines Kindergeburtstages. Jeder berufliche, private, gesundheitliche, finanzielle und jeder sonstige Stress ist … nun ja … Kindergeburtstag, verglichen mit einem Kindergeburtstag.

Verfasser nämlicher Zeilen stand Ende März vor dieser Aufgabe und, um es kurz zu machen, die Arbeit als Atombombenentschärfer ist mit Sicherheit entspannter. Um das eigene Leid zu kürzen, wurde die minderjährige Geburstagshorde in ein Kino gesetzt in der Hoffnung, der Werbeblock möge mindestens genauso lange dauern, wie der darauffolgende Film (Freun din von Harry Potter verliebt sich in Samson aus der Sesamstraße oder sowas). Kurz bevor man im gnädigen Dunkel des Lichtspielhauses den Film über in wohlverdienten Tiefschlaf fallen konnte, erregte ein Werbespot die verbliebene Restaufmerksamkeit: ein gewisser Julian solle doch mal irgendjemanden besuchen, der jetzt einen tollen, neuen Beruf hat. Nämlich Geomatiker.

Sieh an. In einem ganz normalen Kino in einer ganz normalen Landeshauptstadt wird vor dem Nachmittagsprogramm für unseren Berufsstand geworben. Internetrecherche ergab, dass es sich bei dem Film um einen Beitrag im Rahmen einer Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung handelt (www.praktisch-unschlagbar.de), mit welcher Berufsausbildungen an die Jugendlichen gebracht werden sollen.

Aber ist es denn schon so weit, dass wir sogar im Kino für Nachwuchs werben müssen? Ja. Es ist so weit.

Der Fachkräftemangel ist kein Mandolinenklang im Nebel mehr, sondern längst bittere Realität. Nur mit großem Aufwand und nach langer Suche lassen sich offene Stellen durch geodätische Fachleute besetzen und um die potenziellen Azubis balgen sich die verschiedensten Konzerne und Bundesbehörden, sodass man als ÖbVI auf die wirklich interessierten Geeigneten bauen muss – die vorher aber auch noch gefunden, angesprochen und für geeignet erachtet werden wollen. Neben den bekannten Initiativen der Fachverbände beschäftigt sich der BDVI auch intern mit den Fragen der Nachwuchsgewinnung – sowohl auf der Ebene der Ausbildungsberufe als auch in weiterführender Hinsicht bis hin zur Bestellung zum ÖbVI.

Ob all diese Überlegungen und Maßnahmen Erfolg haben werden, ist nicht gewiss; sicher hingegen ist, dass das Warten auf bessere Zeiten erst recht nicht mehr Mittel der Wahl sein darf (auch wenn es tatsächlich Kollegen geben soll, die die Aufhebung der Altersbegrenzung für ÖbVI als einzig wirksame Waffe gegen den Nachwuchsmangel betrachten – aber schon Gauß und seine Kurve lehren uns, dass einige immer anders sind, als die meisten …).

Deshalb: bilden Sie aus, gehen Sie an Schulen, begeistern Sie Menschen für unseren Beruf – es wird uns keiner diese Arbeit abnehmen. Denn: Erst wenn der letzte Kartograf ausgeschummert hat, der letzte Geomatiker auf Makler umsattelt und der letzte Vermessungstechniker im Katasteramt Gebäudeeinmessungen locht, dann werdet Ihr sehen, dass man mit Main Assistant Chief Controlling Analysts im Communication Front Consulting Multi Management auf der Baustelle keine Feinabsteckung machen kann.

 

Schöne Ostern!

 

Editorial 1|2017Dipl.-Ing. Andreas Bandow 

 
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