In memoriam Dr.-Ing. Andreas Drees

Am 4. Mai 2017 verstarb Dr. Andreas Drees im Alter von 62 Jahren nach langer, zehrender Krank­heit im Kreise seiner Familie. Die Krankheit hatte ihn schon viele Jahre begleitet, in denen er mit scheinbar unendlicher Energie kämpfte, seinen Beruf aber trotzdem engagiert lebte und auch privat Lebensmut bei vielerlei Aktivitäten ausstrahlte. Aber letztlich war die Krankheit stärker. Der Freie Beruf des Öffentlich bestellten Vermessungsingenieurs (ÖbVI) hat einen heraus­ragenden Vertreter verloren. Andreas Drees war ein Leuchtturm für das, was der ÖbVI als In­stitution zu leisten vermag. Er verkörperte den Beruf als Berufung: Noch sechs Tage vor seinem Tod verließ er das Krankenhaus kurzzeitig, um ein von ihm gefertigtes Gutachten in einer mehrstündigen Sitzung zu verteidigen. 

 

Nach dem Geodäsiestudium in Bonn und dem anschließenden Referendariat widmete er sich schon während des Referenda­riats dem in Sozietät geführten ÖbVI-Büro seines 1981 verstor­benen Vaters und wurde 1983 als ÖbVI zugelassen. Zeitgleich promovierte er als Externer am Photogrammetrischen Institut der Universität Bonn und vertiefte seine Kenntnisse in Bewertung und Bodenordnung. Der Promotion im Bereich der Nah­bereichs­fotogrammetrie 1985 folgte zielstrebig die Zulassung als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für die Bewertung von bebauten und unbebauten Grundstücken bei der IHK Münster 1992. Das sind aber formale Stationen, die seinen beruflichen Werdegang nur unzureichend beschreiben. Früh konnte er Kommunen, in denen sein Vater schon Geschäfts­führer des jeweiligen Umlegungsausschusses war, überzeugen, dass auch er die erforderliche Qualifikation mitbrachte. Ihm ge­lang es auch, diesen Marktsektor weiter auszubauen und in wei­teren Kommunen die Geschäftsstelle des Umlegungsaus­schus­ses zu betreuen. Auch in der Flurbereinigung tat er sich hervor, und das eben nicht nur als Katastergeodät, sondern auch als Be­werter und Verhandler. Letztlich führte dies auch dazu, dass Andreas Drees 1993 geeignete Stelle für Flurneuordnungs­maß­nahmen für das Land Brandenburg wurde und damit im Rahmen des Landwirtschaftsanpassungsgesetzes eine für den ÖbVI neue ganzheitliche Behördenfunktion ausübte. Andreas Drees verstand es, Fachwissen mit einem Gespür für den Umgang mit Beteiligten in Bodenordnungsverfahren zu verbinden: Eigenschaften, die letztlich in der Kombination den Erfolg ausmach­ten und noch ausmachen. So war und ist das ÖbVI-Büro Drees und Partner eine überregional agierende Sozietät. Zu Beginn seiner Laufbahn waren es die Kollegen Schmitz und Stamm, spä­ter der Kollege Schlüter. Zuletzt waren sein Sohn Thomas Drees (seit 2010) und Stefan Hoersch (seit 2014) seine Partner, mit denen er ein ÖbVI-Vorzeigebüro mit rund 25 Fachkräften führte.

Andreas Drees hat zeit seines Berufslebens auf nahezu allen Ebenen des geodätischen Ehrenamtes gewirkt. Selbstredend war er von Beginn an Mitglied im BDVI und hat hier unzählige Positionen bekleidet. Besonders hervorzuheben ist sicher seine Funktion über elf Jahre als Schriftleiter des FORUM von 1987 bis 1997. Von 1986 bis 1997 war er auch stellvertretender BDVI-Lan­desvorsitzender und parallel bis 1995 Bezirksobmann Münster. Er gehörte der BDVI-Flurbereinigungskommission an. 1996 bis 2002 war er Mitglied des BDVI-Präsidiums und wurde 1998 folgerichtig mit der Goldenen Ehrennadel des BDVI ausgezeichnet. Bei der Gründung der Ingenieurkammer-Bau NRW war er aus Überzeugung früh dabei und war dort langjähriges Mitglied der Vertreterversammlung. 1989 wurde er Vizepräsident des DVW, zu­nächst seinerzeit noch Deutscher Verein für Vermessungs­wesen, später Gesellschaft für Geodäsie, Geoinfor­mation und Landmanagement. 2003 wurde er zunächst Secretary General und nach Neuordnung der Fédération Internatio­nale des Géomètres (FIG) deren Vizepräsident in der Legislatur­periode bis 2006. Andreas Drees hat insbesondere im Bereich der Bodenordnung Maßstäbe gesetzt. Konsequenterweise war er daher auch Lehr­beauftragter für das Fach Immobilienwirtschaft der Professur für Städtebau und Bodenordnung des Institutes für Geodäsie und Geoinformation der Universität Bonn. Auch auf privater Ebene engagierte sich Andreas Drees ehren­amtlich. So war er beispiels­weise langjähriges Mitglied des Pfarr­­gemeinderates sei­ner Pfarrei, in der er schon als Jugendlicher als Ministrant aktiv gewesen war. Ich selbst kannte Andreas Drees seit früher Kindheit. Da unsere Väter schon zusammen in Bonn studiert hatten, waren unsere Eltern befreundet und wir fuhren zusammen in den Urlaub. Früh probierten wir als Kinder aus, was es heißt, selbstständig zu sein: Wir fuhren gemeinsam auf die Ostsee zum Dorschfang und ver­kauften den Fisch in der Feriensiedlung. Schnell merkten wir, dass Kundenorientierung zu höheren Erträgen führt: Wir ver­kauften den Fisch fertig filetiert zu höheren Preisen. Wir lernten gemeinsam das Führen eines Segelbootes und fuhren ge­mein­sam erst kleine, dann größere Segelboote. Der Gedanke der Seemannschaft, das Arbeiten in einer Bootscrew und das Leiten einer solchen taugen als Lehrbeispiele, wie eine Büroführung gut gelingen kann. Natürlich haben wir von Skifahren bis Weinseminaren auch viele rein freizeitliche Begegnungen gehabt. Mehr als 30 Jahre gab es eine geodätische Essensrunde, in der man sich alle drei Monate mit Partnern zum Austausch traf. Andreas Drees war ein zielstrebiger Geodät, manchmal mit Kanten, wenn es um bestimmte Positionen ging, aber immer mit dem Gespür für Lösungsansätze. Er war aber nicht nur ein äußerst er­folgreicher Geodät, sondern auch liebevoller Familienmensch und engagierter Freund. Der Berufsstand des ÖbVI in Deutschland hat mit Andreas Drees einen hochangesehenen Vertreter verlo­ren und ich meinen ältesten Freund. Er wird uns und mir fehlen. Wir werden Andreas Drees ein ehrendes Gedenken wahren und wir tun gut daran, seine Verwirklichung der freiberuflichen Be­rufs­idee als Beispiel zu betrachten. Unsere Gedanken sind aber auch bei seiner Frau Anne, seinen Kindern – insbesondere seinem Sohn Thomas – und der ganzen Familie, die mit ihm einen treu sorgenden Ehemann und Vater, Schwiegervater und Opa verloren haben.

 

Werne, den 6. Mai 2017

Michael Zurhorst

 

 

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