Den Blick nach vorn schärfen

NRW

 Am 3. November 2017 brachte die Jahreshauptversammlung der Landesgruppe Sachsen des BDVI im Schlosshotel Pillnitz wieder Mitglieder und Gäste zusammen, darunter die Mitglieder des Sächsischen Landtags Marko Schiemann und Frank Heidan, den Staatsminister des Innern Markus Ulbig und weitere Vertreter des Sächsischen Staatsministeriums des Innern, des Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft, des Staatsbetriebs GeoSN, der Vermessungs- und Flurbereinigungsverwaltung der Landkreise und kreisfreien Städte, der Ingenieur­kammer Sachsen, Vertreter aus Forschung und Lehre sowie befreundeter Verbände.

 

In seiner Begrüßungsansprache lobte der Vorsitzende Peter Box­berger die fachliche Zusammenarbeit mit dem Staats­­minis­te­rium des Innern, mit dem jüngst die Novelle des Vermessungs­kosten­rechts gemeinsam erfolgreich beraten wurde. Bei der Sicherung des Berufsnachwuchses sei man ein gutes Stück voran­­gekom­men und komme Schritt für Schritt dem erklärten Ziel, für die Zukunft bedarfsgerecht ausbilden zu können, nä­her. In drän­gen­den Fragen zum anwendbaren Vermessungs­recht durch die Ausgestaltung von Verwaltungsverfahrensverein­fach­ungen bei Katastervermessungen sei man auf der Zielgeraden. Peter Box­berger hofft auf die Fortsetzung der erfolgreichen Arbeit und versicherte, dass die freiberuflich tätigen Vermessungs­inge­nieure mit dem BDVI weiterhin für ein hochwertiges Leistungs­verspre­chen einstehen und als verläss­licher Partner für die Landes­politik sowie die beteiligten Ministerial- und Fachverwaltungen zur Verfügung stehen.

Der Präsident des BDVI, Michael Zurhorst, berichtete in seinem Grußwort vom Bestreben der EU-Kommission zur Deregu­lierung u. a. der Freien Berufe. Erstmals scheint es nun auf Initiative des BDVI zu gelingen, dass im Rahmen des jährlichen Reviews des Jahresberichtes der OECD überhaupt Freiberufler zu dem Thema angehört werden. Dadurch ­besteht die Chance, dass sich der für unsere Bundesregierung wichtige Bericht nicht auf statistische Analysen aus makroökonomischen Daten beschränkt. Um die Rechtsstellung der ÖbVI europafest zu ge­stalten, ent­wickelt der BDVI ein Zukunftsmodell für den Berufs­stand. Im Zen­trum steht die Frage nach dem Mehr­wert der ÖbVI für die Gesellschaft und warum das nur in einer gewissen regulierten Art und Weise geht.

Der Staatsminister des Innern Markus Ulbig betonte in seinem Grußwort, dass qualitativ hochwertige Vermessung die Grundlage jedes geordneten Staatswesens sei. Sie bleibe für den Frei­staat Sachsen auch in Zukunft unentbehrlich, weil nur eine zuverlässige Vermessung von Grund und Boden Sicherheit und Ordnung garantiere und weil präzise Geodaten das Rückgrat unserer wirtschaftlichen Prosperität seien. Wichtig sei die Fortsetzung der Digitalisierung, bei der das Vermessungs- und Geo­informationswesen seit jeher zu den Vorreitern gehöre. Ausbau­fähig sieht Staatsminister Ulbig das Angebot an »vollelektro­nischen« Verwaltungsverfahren mit dem Ziel einer modern und effizient arbeitenden Verwaltung, die Zeit, Porto und Papier spa­re. Er rief die ÖbVI auf, sich hierbei aktiv einzu­bringen. Erfreut zeigten sich die Zuhörer über seine Zusicherung, weiterhin auf eine Anschubfinanzierung für die Verbesserung des Liegenschaftskatasters zu dringen.

Im Fokus des Vortrags von Prof. Dr. Horst-Joachim Lüdecke, emeritierter Professor der Hochschule für Wirtschaft und Technik des Saarlandes und Pressesprecher des Europäischen Instituts für Klima und Energie (EIKE e. V.), standen die Energiewende und der Klimawandel. Er berichtete über den natürlichen Klima­wan­del und die wiederkehrenden Temperaturschwankungen. Wissenschaftliche Ergebnisse hätten eine zyklische Erderwärmung und Erdabkühlung aufgezeigt. Der Klimawandel habe demnach also schon vor dem Menschen existiert und werde nicht durch ihn verursacht. Die Rede vom »Klimaschutz« sei wissenschaftlich unbegründet und die Annahme, der vom Menschen generierte CO2-Ausstoß für diesen verantwortlich, abwegig, so Lüdecke. Der emeritierte Physikprofessor erläuterte die Ziele der Ener­gie­wende und deren Hauptmängel anhand maßgebender Kriterien zur sachlichen Beurteilung von »er­neuerbaren Energien« sowie deren Kosten. Er sprach sich gegen Windkraftwerke aus, da diese eine Gefahr für Tiere und somit auch die Umwelt darstellten und seiner Theorie nach schädliche Schallwellen ausstrahlen. Die Nutzung von Wind, Sonne und Energiemais sei, wie Lüdecke ausführte, in einer modernen Industrienation wirtschaftlich und für die Umwelt unvertretbar.

Dr. Norman Franchi vom 5G Lab Germany der TU Dresden informierte eindrucksvoll über das Internet der Zukunft und die neueste Generation Mobilfunk. Er arbeitet in einem inter­dis­zi­plinären Team mit mehr als 500 Wissenschaftlern, um Schlüssel­technologien für die fünfte Generation des Mobilfunks (5G) und ihre Applikationen zu erforschen. Das Team ­entwickelt mathe­matische Modelle, mit denen reale Rahmenbedingungen simu­liert werden und Ergebnisse in Sekundenschnelle ermög­licht wer­den können. Ziel sei es, Ausfallsicherheiten von über 99,999 % sowie eine Latenz in 5G und im taktilen Internet von einer Millisekunde zu erreichen, erklärte Franchi. Anhand beein­druckender Praxisbeispiele stellte er dar, wie die Echt­zeit­fähig­keit der drahtlosen Kommunikation die Wirklichkeitsnähe der Anwendungen in vielen Bereichen deutlich verbessern kann und damit zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen bei­trägt. Zu seiner Vision des taktilen Internets gehören z. B. voll auto­matisiertes Fahren im Stra­ßenverkehr, robotergestützte Telechirurgie und neuartige Lern- und Trainingsmethoden, die sich durch haptisch-taktiles Feedback auszeichnen. Mit einem Landmaschinenhersteller wird die nötige Leistungsfähigkeit von M2M-Funktechnologien erforscht, die ohne Netz eines Mobilfunkbetreibers
erfolgreich kommunizieren. So könne Farming 4.0 mit drahtlos vernetzten und smart agierenden Landmaschinen realisiert werden. Auf einem Testfeld eines prototypischen Funk­systems konnten Übertragungslatenzen von 2 bis 4 ms sowie Reichweiten von bis zu 3,4 km erzielt werden. In einem nächs­ten Schritt werden die Standardisierung sowie weitere Versuche mit anderen potenziellen Technologien vorbereitet.

Zur Mitgliederversammlung am Nachmittag standen die Tä­tigkeitsberichte und aktuelle berufspolitische Fragen mit den Schwerpunkten Amtsverwalterschaft, Verwaltungsverfahrens­erleichterungen bei Katastervermessungen und Kostenrecht auf der Tagesordnung. Den Berichten folgte die turnusmäßige Wahl des Vorsitzenden und des Vorstandes. Peter Boxberger wurde ein­stimmig für weitere drei Jahre als Vorsitzender wieder­ge­wählt. Außerdem wurden Katja Kießling, Hubert Mütze, Steffen Oertelt, Rigo Ossig, Andreas Pippig und Uwe Petschinka in den Vorstand sowie Andreas Schlegel zum Schatzmeister gewählt.

Besonderer Dank gilt Andreas Lantzsch für die bisherige Mit­arbeit im Vorstand. Die vielfältigen Themen der ereignisreichen Jahreshauptversammlung lieferten genügend Gesprächsstoff für die Abendveranstaltung mit kulinarischen Köstlichkeiten und einem kulturellen Programm zum Ausklang.

 

 

Katrin Mißbach

Dipl.-Ing.
Katrin Mißbach

Geschäftsstelle der BDVI-Landes-
gruppe Sachsen und Thüringen
bdvi(at)vermessung-kamenz.de