Arbeitssicherheit und Arbeitsschutz im ÖbVI-Büro

Die Fachtagung der Landesgruppe Baden-Württemberg Ende November in Filderstadt stand ganz unter dem Motto »Arbeitssicherheit und Arbeitsschutz im ÖbVI-Büro«.

 

BDVI-Justiziar Dr. Rüdiger Holthausen warn­te alle Teilnehmen­den in seinem Eingangs­vor­trag, dass das Thema »schwere Kost« sei. Sein Vergleich »Arbeitssicherheit ist wie kalte Füße« brachte alle Anwesenden zum Lachen, bevor er den recht­li­chen ­Rah­men aller wich­tigen Gesetze und Ver­ord­nun­gen zeichnete: Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), Arbeits­si­cher­heitsgesetz (ASiG), Ar­beits­­stät­tenverordnung (ArbStättV), Baustellenver­ordnung (Bau­stellV), Betriebssicherheits­ver­ord­nung (BetrSichV) und Ar­beits­­schutz­­ver­ordnung zu künst­licher optischer Strahlung (OStrV). Die wich­tigsten Paragrafen wurden angesprochen und vor allem die Gefähr­dungs­beurteilung wurde aus den Ge­setzen hergeleitet.

Überhaupt war die Gefährdungsbeurteilung ein immer wieder­kehrendes Thema bei allen weiteren Vorträgen: Eleanor Lang, Aufsichts­person der VBG, übertrug die Gesetzesgrund­lagen in die Praxis. Schnell tauchte die Frage auf: Was ist denn eigentlich moderner Arbeitsschutz?

Eine Definition findet man im DGUV-Grundsatz (S. 6): »Moderner Arbeitsschutz versteht sich als Dach für systematisch geplante, umgesetzte und gesteuerte Maßnahmen zur Ge­währ­leistung bzw. Verbesserung von Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit.« Auch hier wieder ein zentraler Bestandteil: die Gefährdungsbeurtei­lung, die sich am besten mit dem PDCA (Plan-Do-Check-Act) umsetzen lässt: Am Anfang steht die Planung und es muss bei jedem Schritt dokumentiert werden.

Danach betrach­tet man in nachstehender Reihenfolge folgende Bereiche:

1 | Tätigkeiten auswählen
2 | Gefährdungen/Belastungen ermitteln
3 | Risiko beurteilen
4 | Schutzmaßnahmen festlegen
5 | Maßnahmen umsetzen
6 | Wirksamkeit prüfen
7 | Fortschreiben

Anschließend beginnt der Kreislauf wieder von vorn, da die Ge­fähr­dungsbeurteilung immer wieder neu geprüft und verbessert werden muss.

Es gibt verschiedene Vorgehensweisen bei der Vermeidung von Gefahren: Substitution (Verringerung oder Vermeidung der Ge­fahrenquelle), technische Schutzmaßnahmen (Trennung der Ge­fahrenquelle vom Menschen), organisatorische Schutzmaßnahmen (zeitweise Trennung der Gefahrenquelle vom Menschen), persönliche Schutzmaßnahmen (der Mensch schützt sich vor der Gefahrenquelle) und verhaltensbezogene Schutzmaßnahmen (Schutz durch Wissen, Unterweisung und Training). Bei der Gefährdungsbeurteilung müssen das Portfolio, die Arbeitsum­gebungen, die Branchen der Kunden und die Vermessungsge­räte/Arbeitsmittel des Büros berücksichtigt werden. Ab Juli 2018 steht ein Kompetenzzentrum (KPZ) der VGB zur Verfügung, das bei allen relevanten Arbeitsschutzmaßnahmen mit Rat und Tat zur Seite steht. Vor allem Büros mit weniger als zehn Be­schäf­tigten können Aufgaben auf das KPZ übertragen, was eine Alternative zum Unternehmermodell darstellen kann.

Neben der physischen Belastung kam im Vortrag von Philipp Hein­zelmann (Heinzelmann GmbH – Ingenieurbüro für Arbeits­sicherheit) die psychische Belastung am Arbeitsplatz zur Spra­che. Dieser Bereich ist äußerst sensibel und wird deswegen oft vernachlässigt – aber über 17 % der Krankheitsarten sind psy­chi­sche Erkrankungen mit oft längeren Ausfallzeiten. Unter der psychischen Belastung versteht man die Beurteilung der ge­sam­ten äußeren Einflüsse am Arbeitsplatz und nicht die Res­sourcen der einzelnen Mitarbeiter. Auch hier muss man eine Gefähr­dungs­beurteilung erstellen, die Kriterien entsprechen der oben ge­nannten PDCA. Für die Beurteilung kommen in der Regel drei standardisierte Verfahren zum Einsatz: Mitarbeiterbefragung, Beobachtungsinterviews und Analyse/Gruppenworkshops.

Dipl.-Ing. Detlev Klemm von Hessen Mobil – Vermessung Südhessen – richtete seinen Fokus auf ein zentrales Arbeitsumfeld von ÖbVI: die Straßenbauvermessungen. Die Stufen der Absi­che­rung auf den verschiedenen Straßenarten (Autobahn, Land­straße etc.) wurden besprochen, auch in Verbindung mit der zu­lässigen Warnkleidung und Absperrmaterialien (Schilder, Ke­gel etc.).

Abschließend fasste Frank Hotz, Geschäftsführer des auf Arbeitssicherheit spezialisierten Jedermann-Verlags, die wichtigs­ten Aspekte zusammen und berichtete über die Aktivitäten des BDVI zum Arbeitsschutz: Der Verband erarbeitet für seine Mitglieder einen Leitfaden, der den Umgang mit dem Thema Arbeitsschutz erleichtern soll und als Grundlage für die Gefähr­dungsbeurteilungen dienen kann. Hier sei auf seinen gesonder­ten Beitrag auf Seite 58 verwiesen.

 

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Holger Mengersdorf

Holger Mengesdorf

Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur
h.mengesdorf(at)foerderer-mengesdorf.de